Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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nächst glaubte man vielfach, und nicht nur in bimetallistischenKreisen, Scholz habe in persönlicher Gereiztheit und ohne vorherigeVerständigung mit Bismarck gehandelt und sein Auftreten sei nureine Ankündigung seines Abschieds.

Aber diese Annahme erwies sich als trügerisch. ImFebruar kam im Reichstag der mit Spannung erwartete neueAntrag Kardorfif zur Beratung. Diesmal wurde keine inter-nationale Münzkonferenz und kein Binietallismus verlangt,sondern der Antrag bewegte sich, um für die weitesten Kreiseannehmbar zu erscheinen, in einer gänzlich unbestimmten undnichtssagenden Allgemeinheit. Der Reichstag wurde aufgefordert:die verbündeten Regierungen zu ersuchen, der Währungsfragedie eingehendste Prüfung zu teil werden zu lassen und demReichstag von dem Resultat der Prüfung Mitteilung zu machen."

Herr v. Kardorff benutzte die Gelegenheit, um seinemGroll gegenüber dem Finanzminister v. Scholz Luft zu machen.Obwohl dieser nicht anwesend war, griff er ihn in der schärfstenWeise an, und die schwerste aller Beschuldigungen, die er gegenihn erhob, war die, dass der grösste Teil der Rede, die derMinister im Abgeordnetenhaus gehalten habe, nichts als eineBlumenlese aus Reden Bambergers gewesen sei, und das ver-suchte er unter dem Beifall und der Heiterkeit seiner Freundeeingehend nachzuweisen.

Am nächsten Tag erschien Herr v. Scholz. Den Kar-dorffschen Antrag schob er mit der zutreffenden und ver-nichtenden Bemerkung zur Seite: eine nichtssagendere, gleich-gültigere und überflüssigere Resolution habe das Haus wohlnoch nie beschäftigt. Es sei ganz gleichgültig, ob sie ange-nommen oder abgelehnt werde. Dann wendete er sich anHerrn von Kardorfif persönlich und sagte:

Als ich noch die Ehre hatte, dem Reichsschatzamt vor-zustehen , da hat Herr von Kardorff bereits dem Reichskanzlereinmal brieflich vorgetragen, dass, obwohl die Camphausen undDelbrück abgegangen, in den Räumen des Reichsschatzamtsnoch der Geist Bambergers wehe, und darauf aufmerksam ge-macht, dass eine Purifikation in dieser Beziehung seiner Meinungnach notwendig sei. Es entspricht, nachdem dieses privatissimumkeinen Erfolg gehabt hat, durchaus der Tendenz, jetzt daspublicum hier zu lesen in derselben Richtung, und ich fürchte

Helfferich, Bamberger als Währungspolitiker. IO