Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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nur, dass es mit demselben Erfolg geschieht; denn das ist dochzweifellos, m. H., dass die Person des Herrn Reichskanzlersturmhoch über der Annahme steht, als ob jemand eine Sacheoder eine Person bei ihm nur in dieser Weise anzugreifenbrauche, um den gewünschten Erfolg zu haben, als ob es demHerrn Reichskanzler genüge, um sich ein anderes Urteil überjemanden zu bilden, wenn man ihm sagt: sieh, der sieht ähn-lich aus wie Bamberger."

Es war gegenüber der entschiedenen Haltung des Finanz-ministers, welche jetzt nur noch auf Grund einer Verabredungmit Bismarck denkbar war, von keinerlei Bedeutung, dass derinhaltlose Antrag Kardorff nach dreitägiger Redeschlacht schliess-lich mit 145 gegen 119 Stimmen angenommen wurde.

Bamberger schrieb am 13. Februar an Soetbeer:

In der Hauptsache brauche ich Ihnen wohl nichtzu sagen, dass wir trotz der erbärmlichen Abstimmungmit dem Resultat dieser Tage zufrieden sein können. DasWichtigste ist ja für uns die Richtung in der Regierung selbst.Die pessimistischen Oppositionszeitungen haben sich leider aus.dem Drange nach Überklugheit zum Teil verführen lassen, dieErklärung von Scholz nicht als Symptom der Ubereinstimmungmit Bismarck aufzunehmen. Das wäre schon ein taktischerFehler, selbst wenn sie mit dieser Vermutung recht hätten,und ich habe überall, soweit ich konnte, dafür gesorgt, dassdiese verkehrte Methode zurückgestellt werde. Aber die Sache-verhält sich auch in Wirklichkeit nicht so. War es schon an.sich höchst unwahrscheinlich, dass Scholz ohne Fühlung mit.Bismarck so ungeheuer energisch auftreten werde, so kann ichjetzt nach zuverlässigen Mitteilungen, die mir gestern Abendzu teil wurden, Ihnen sagen, dass Scholz' Angriff gegen Kar-dorff auf vorheriger Verständigung mit Bismarck beruht hat.Das gibt noch kein Recht, auf Bismarcks Einverständnis mitunsern Ansichten zu schliessen, aber die Zurückweisung derKardorffschen Anmassung und Prozeduren hat entschieden seineBilligung gefunden und das bedeutet immerhin schon sehrviel! Zunächst ist für uns das Wichtigste, dass wir keine Re-gierungsmassregeln im bösen Sinne mehr zu erwarten haben,,und wir leben ja von der Hand in den Mund. Auch sollte es.mich nicht wundern, wenn auf den sinnlosen Antrag der Reso-