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sich dem Eindruck nicht entziehen, dass jede Erschütterung derGoldwährung für den grössten Teil der deutschen Bevölkerungverhängnisvoll werden könne. Sie behandelte in der Folgezeitdie Frage mit grösserer Vorsicht und Zurückhaltung.
Als eine vertrauliche Anfrage bei der englischen Regierung,ob Indien eventuell geneigt sei, seine Münzstätten dem Silberwieder zu öffnen, verneinend beantwortet wurde, beschloss derBundesrat am 23. Januar 1896, der vom Reichstag am 16. Fe-bruar 1895 beschlossenen Resolution keine Folge zu geben.
Bald darauf, am 17. März 1896, erklärte die englische Re-gierung im Unterhaus, dass nach einstimmiger Ansicht desKabinetts England an eine Preisgabe seiner Goldwährung nichtdenken könne, dass sie aber, falls mehrere ausländische Staatenein bimetallistisches System mit freier Silberprägung begründenwürden, gewisse Konzessionen an das Silber, vor allem dieWiedereröffnung der indischen Münzstätten in Erwägung zuziehen bereit sei.
Damit war der Zusammenbruch des neuesten bimetallistischenAnsturms in Deutschland besiegelt. In der sicheren Hoffnungauf einen vollen Erfolg der bimetallistischen Sache in England ,die sich namentlich an die Person Balfours, des ersten Lordsdes Schatzes, anknüpfte; ferner in Anbetracht des Umstandes,dass ein Bimetallismus ohne England sowohl bei der Reichs-regierung als auch bei der öffentlichen Meinung Deutschlands keinerlei Aussichten bot, hatten sich die deutschen Bimetallistenselbst auf die Parole „Bimetallismus nur mit England " fest-gelegt. Die entschiedene Absage der englischen Regierung andie Zumutung, auch in England zur Doppelwährung überzu-gehen, musste deshalb für' den deutschen Bimetallismus einegeradezu vernichtende Wirkung haben.
Nur die Vorgänge in den Vereinigten Staaten ver-mochten noch für einige Zeit das öffentliche Interesse an demWährungsstreit wachzuhalten. Bei der im Spätherbst 1896 statt-findenden Präsidentenwahl sollte es dort zur Entscheidung kommenzwischen „Gut Geld" und „Frei Silber". Mit Spannung er-wartete die ganze Welt den Ausgang. Der Sieg wurde MacKinley zu Teil, dem Kandidaten der Gutgeld-Leute, währendBryan, der Kandidat der Silberpartei, unterlag.