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begann diese Erklärung mit den Worten: „Ohne der bestehendenReichswährung zu präjudizieren", und sie bezeichnete als denZweck des eventuellen Meinungsaustausches nicht die Doppel-währung, sondern nur die Hebung und Befestigung des Silber-wertes. Aber trotzdem lag in der Erklärung ein offenkundigerBruch mit der bisherigen deutschen Münzpolitik. Denn bisherhatte die Reichsregierung stets die deutschen Münzverhältnissefür befriedigend erklärt und gestützt darauf die äusserste Zurück-haltung gegenüber den Vorschlägen anderer Staaten beobachtet,vor allem aber hatte sie jede wesentliche Änderung des statusquo und jede Initiative in der Währungsfrage immer weitvon sich gewiesen. Zum ersten mal zeigte sich nun dieReichsregierung bereit, die Initiative zu internationalen Ver-handlungen in Erwägung zu ziehen.
Die Bimetallisten fühlten sich nach dieser Erklärung bereitsals Sieger und glaubten, es werde nur eines letzten Kraft-aufgebots bedürfen, um die Beseitigung der Goldwährung zuerreichen. Mit der äussersten Anstrengung betrieben sie ihreagitatorische Thätigkeit.
Die Anhänger der Goldwährung hatten seit dem Jahre1886 im Währungsstreit stets im Gefühle der Sicherheit einegewisse Zurückhaltung und Ruhe beobachtet. Angesichts derzweifelhaften Stellung der Reichsregierung schien es jedoch ge-boten, die Verteidigung der Goldwährung zu organisieren.
Bamberger widmete sich ganz dieser Aufgabe. In Gemein-schaft mit dem nationalliberalen Stuttgarter Reichstagsabge-ordneten Siegle und mit Professor Huber begründete er den„Verein zum Schutz der deutschen Goldwährung"und leitete dessen umfangreiche agitatorische Thätigkeit. Aufseine Anregung ist es ferner vor allem zurückzuführen, dasszahlreiche Körperschaften der Industrie und des Handels mitder grössten Entschiedenheit für die Erhaltung der Goldwährungeintraten, und dass der im deutschen Handelstag organisierteHandels- und Gewerbestand in fast ausnahmsloser Einstimmig-keit sich für die bestehende Reichswährung und gegen jedesbimetallistische Experiment erklärte.
So war ein heilsames Gegengewicht gegen den „deutschenBimetallistenbund" undgegen die währungspolitischenForderungendes Agrariertums geschaffen, und die Reichsregierung konnte