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die Kommission an und für sich für überflüssig erkläre, so dassich aus mir selbst keinen Antrieb schöpfe zu der einen oderandern Form der Lösung hinzudrängen; ich stehe auf demStandpunkt vollständiger Passivität. Als betreibenden Teil be-trachte ich die Herren Bimetallisten."
Diesem Standpunkt passte er sein Verhalten in der Enquete-Kommission an. Er beschränkte sich darauf, in meist kurzenReden und Bemerkungen bimetallistischen Angriffen entgegen-zutreten und die bimetallistischen Vorschläge zu kritisieren.
Die Kommission tagte vom 22. Februar bis zum 6. Juni 1894.Die gesamte Währungsfrage wurde in allen ihren einzelnenPunkten mit der grössten Vollständigkeit erörtert; aber daspraktische Ergebnis war gering. Als der Vorsitzende der Kom-mission, der damalige Reichsschatzsekretär Graf von Posadowsky,am Schlüsse der Beratungen die Resultate zusammenfasste, damusste er feststellen, dass die Frage, deren Erörterung speziellder Kommission übertragen war, ob und auf welchem Weg dieSteigerung des Silberpreises erreicht werden könne, — dassdiese Frage streitig geblieben sei.
Von einschneidender Bedeutung für die praktische Ge-staltung der Währungsfrage war, dass es den Agrariern gelang,den Grafen Caprivi zu stürzen. Die agrarischen Ploflhungenwurden durch diesen Erfolg aufs äusserste angereizt. Von demneuen Reichskanzler glaubte man eine grössere Nachgiebigkeiterwarten zu dürfen, und der Einfluss des Bundes der Landwirte,welcher die konservative Fraktion beherrschte, wurde auch inder nationalliberalen Partei und im Zentrum immer grösser.
Unter diesen Umständen glaubten die bimetallistischenFührer eine neue Aktion wagen zu können. Sie beantragtenim Reichstag eine Resolution, die Reichsregierung solle eineMünzkonferenz behufs internationaler Lösung der Währungsfrageeinberufen. Die Resolution fand eine Mehrheit, da sie nur von,,internationaler Regelung der Währungsfrage",nicht aber von einer „Doppelwährung" sprach.
Von grösserer Bedeutung als dieser Beschluss war es, dassder Reichskanzler Fürst Hohenlohe sich am 16. Februar 1895bereit erklärte, mit den verbündeten Regierungen über dieZweckmässigkeit eines Meinungsaustausches mit fremden Staatenüber die Währungsfrage in Verhandlungen zu treten. Zwar