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für das notwendige Silber. Die volkstümliche Anschauung sahmit Unruhe und Unwillen den Fünffrankenthaler einschmelzenund abziehen, die Handels- und Staatsroutine konnte sich einesinneren Widerstrebens nicht erwehren; denn in beiden ist dasalte Vorurteil gegen Metallausfuhr noch lange nicht so über-wunden, als man vom Stande der heutigen Wissenschaft zu er-warten berechtigt wäre. Ein besonderes Argument aber fanddie Antipathie in der Befürchtung, dass die endlosen Gold-förderungen den bisherigen Wert dieses Metalls nicht bloss be-deutend herabdrücken, sondern auf fortwährenden empfindlichenSchwankungen blossstellen müssten. Es lag also die Besorgnisauf der Hand, dass man im Augenblick gegen ein KilogrammSilber eine viel geringere Quantität Gold von aussen empfange,als man bei Mehrung des Goldvorrates in der Welt nacheinigen Jahren werde empfangen können; dass mithin das In-teresse des Nationalreichtums gebiete, das Silber, welches fort-während steigen müsse, im Lande zu behalten, das Gold aber,welches einer sicheren Wertverminderung entgegengehe, ab-zuwehren. Also dargestellt präsentierte sich die Behauptungernst und triftig genug. In Holland , welches bis dahin für diehöheren Münzen ausschliesslich Gold geschlagen hatte, liess mansich so sehr davon beeindrucken, dass man kurzen Prozessmachte und beschloss, das Gold ganz ausser Cirkulation zusetzen.*) Es wurde ein neuer Miinzfuss, ausschliesslich aufSilber basiert, eingeführt. Dies geschah ganz im Anfang derfünfziger Jahre, und nicht lange darauf folgte Belgien mit dergleichen Massregel nach. Beide Staaten vollzogen diese Um-wandlung nicht ohne beträchtliche Opfer, denn gerade ihreMassregeln hatten sofort zur Verteuerung des Metalls, dasj^ sieeinführten, und zur Entwertung desjenigen, welches sie loswerdenmussten, ansehnlich beigetragen; nicht zu reden von den be-
*) Anm. des Herausgebers: Dieser Satz enthält einen oft wiederholten Irr-tum. Die kalifornischen Goldfunde waren unschuldig an dem Übergang derNiederlande zur Silberwährung, wie schon daraus hervorgeht, dass das betr. Gesetzvom 26. Nov. 1847 datiert; das ist ein Zeitpunkt, zu welchem die kalifornischenund australischen Goldfelder noch gar nicht entdeckt waren. Bestimmend für dieDemonetisation der Goldmünzen und den Übergang zur Silberwährung war fürHolland das Bestreben nach Währungsgleichheit mit den europäischen Nachbar-staaten und mit den niederländisch -indischen Kolonien, von denen die letzterensich damals ausschliesslich, die ersteren vorwiegend des Silbers bedienten.