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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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stände zu bringen. Sollte aber dies Unternehmen scheitern anden bekannten Strömungen und Bestrebungen, welche nur inden Dingen Heil sehen, welche die Einigkeit Deutschlands aus-einanderhalten, meine Herren, dann soll es dem Norden unbe-hindert sein, voranzugehen, und dann mag der Süden denSchaden später tragen. Wie sehr es im Interesse dieses Südenssei, dass die Münzfrage geordnet werde, davon erlauben Sie mirein kleines Bild, wenn ich so sagen soll, eine Photographie zugeben. Wir haben zwar im Norden sieben verschiedene Münz-füsse, und im Süden, könnte man Ihnen entgegenhalten, habenwir nur den einzigen rheinischen Gulden; in Wahrheit aber,meine Herren, ist es nicht so, wie es auf dem Papier lautet, inWahrheit haben wir die bunteste Münzkonfusion im Süden, dienur je in einem barbarischen Lande existiert hat. (Widerspruch.)

Ja, meine Herren, Sie mögen murren; ich, der ich dieDinge aus eigener Anschauung kenne, ich stehe nicht an, Ihnenzu sagen, das Münzwesen des Deutschen Südens ist so ver-worren, so mit fremden Elementen versetzt, so schwerfällig,dass ich nicht anstehe, wenn Sie mir den Ausdruck erlaubenwollen, es skrophulös zu nennen. (Grosse Heiterkeit.)

Ich will Ihnen hier ein Bild geben von der Sache, wie siesich verhält. Ich habe hier ein sogenanntes Bordereau, d. h. diespezifizierte Aufstellung von Geldsorten, womit ein Handel-treibender eine seinem Bankier überschickte Sendung begleitet.Das Bordereau, welches ich Ihnen hier vorzeige, lautet über15834 Gulden und datiert vom 19. Dezember 1869; ich habees mir aus den Briefen eines Bankhauses herausgenommen; esenthält also die Münzen, aus denen diese 15 834 Gulden zu-sammengesetzt waren,- und damit Sie verstehen, welche Be-deutung dies hat, muss ich sagen: die Sendung kam aus einemkleinen Landstädtchen der Provinz Rheinhessen . Es ist dieseine kleine Stadt von 34000 Seelen mit einem einzigen Gast-haus, welches nicht etwa die Fremden der Merkwürdigkeitenwegen besuchen; es ist eine Zahlung, hervorgegangen aus Pacht-und Kaufzielen der Bauern, aus verkauftem Weizen, Gerste,Hülsenfrüchten und dergleichen Abtragungen, die aus den ein-zelnen umliegenden Dörfern in diese kleine Landstadt gebrachtund durch Vermittlung eines Handeltreibenden einkassiert werden.Was aus den Taschen der Bauern zusammengeflossen ist, ist