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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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grössten Verstandesanstrengung durchgeführt worden sind, zuletztkeines annehmen werden. Machen wir uns also durch Auf-häufung von Argumenten die Sache nicht zu schwer und steuernwir rasch auf das Ziel los; wie der Herr'Vertreter der Bundes-regierungen ganz mit Recht gesagt hat: die öffentliche Meinunghat, seitdem dieser Kampf nach Massgabe, als er sich der Ent-scheidung näherte, immer lebhafter und stürmischer wurde, sichgeklärt. Vieles ist nicht mehr zu diskutieren, und wir stehenheute vor einer ganz anders präparierten öffentlichen Meinung,als sie vor sechs Monaten war. Wir verzichten von vornhereinauf die Annahme des metrischen Systems, welches vonDeutschen sowohl wie von Autoritäten anderer Nationen unsso vielfach angepriesen worden ist. Der Herr Vertreter derReichsregierung hat bereits motiviert, dass zwischen der Vor-stellung des Wertes und der Vorstellung des Gewichts oderMasses, welches einem bestimmten Metallgelde zukommt, durch-aus nicht der direkte Zusammenhang besteht, welchen uns die-jenigen vorhalten, welche verlangen, dass, weil wir ein unitarischesMass- und Gewichtssystem haben, wir auch ein auf metrischerEinheit ruhendes internationales Münzsystem haben müssen.Derjenige, meine Herren, welcher ein Gewicht Brot kauft, welches1 / s Thaler kostet, stellt sich durchaus nicht vor, kümmert sichnicht darum, ob dieser 1 / 3 Thaler der dritte Teil eines Münz-stücks, von welchen 30 auf ein Pfund gehen, ist. Ob es gerade1 / a oder ein anderer Bruchteil an Silbergewicht ist, daran denkter nicht im entferntesten. Es hat sich durch den Gebrauchbei ihm eine Vorstellung dessen ausgebildet, was er von dengewöhnlichen zum Leben nötigen Dingen für eine solche Wert-menge bekommt, und das beherrscht seine Vorstellung. Wennwir deshalb sorgen wollen für eine Münzeinteilung, welche ge-läufig sein soll den volkstümlichen Vorstellungen, dann ist esunsere Hauptaufgabe, nicht auf das Gewichtssystem der Münzezu sehen, sondern auf die vertrauten Gewohnheiten unseresVolkes und ihm den Ubergang leicht zu machen; das ist unsereHauptaufgabe. Meine Herren, wir haben Erfahrungen gemachtmit den Münzsystemen, welche auf dem Gewicht basieren, undsie haben sich nirgends bewährt. Selbst das erste französischeMünzsystem hat eine nach diesem Gewichtssysteme eingerichteteGoldmünze von 10 Gramm einführen wollen im Jahre 1795>