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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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und sie fiel ebenso wirkungslos zu Boden, wie die späterendeutschen Versuche mit der Bremer Krone, welche dem Ge-wichtssystem zufolge ausgeprägt ist. Meine Herren, es ist viel-leicht niemand unter Ihnen, selbst nicht der Vertreter der freienStadt Bremen, der so viel Bremer Kronen gesehen hat, als ich;ich habe sie aber nicht in Deutschland gesehen, sondern nurim Auslande und nur in dem Momente, wo sie noch in ihrerjungfräulichen Reinheit glänzend in den Schmelztiegel wanderten,weil sie nur als Metall galten, und die Ausprägung vollständigverloren war. Wollen Sie noch ein durchschlagenderes Beispieldavon, wie wenig die Adoption eines Gewichtssystems für dieMünze von Wert ist, so nehmen Sie doch die heutige französischeMünzwährung, Sie haben ja beide Systeme in ihr vertreten.Der französische Silberfrank ist metrisch ausgeprägt, ein Frankwiegt 5 Gramm. Fünf Franken wiegen 25 Gramm, 40 Fünf-frankstücke wiegen 200 Gramm, ganz genau dem Ideal ent-sprechend, das uns von den Anhängern des metrischen Systemsempfohlen wird. Anders ist es mit dem französischen Golde:das französische Zwanzigfrankenstück wiegt 6,415 Gramm,ist also durchaus nicht metrisch geprägt. Und nun frage ichSie: Fiat jemand konstatieren können, dass im Gebrauchedieses Landes deswegen das Silbergeld vor dem Goldgelde einenVorzug genossen habe? Nicht im geringsten! Meine-Herren, dieLeute, die das Gold wägen, das sind die, die sich von Geschäfts-wegen damit abgeben, und für die ist es ganz einerlei, obihnen eine runde, mit allen Gewichts- und Massverhältnissenstimmende Summe vorliegt oder nicht, sie haben auf sovielDetails Rücksicht zu nehmen bei der Wertschätzung von Gold,das sie kaufen oder verkaufen, dass es ihnen gar nicht daraufankommt, ob sie einen Bruch mehr oder weniger dabei in An-schlag zu bringen haben. Also die Schwierigkeit, die uns vondieser Seite gemacht wird, können wir mit ruhigem Herzen beiseite legen, und ich glaube, wir thun keinen Fehlschritt, wennwir das metrische System ad acta legen.

Meine Herren, mit mehr Respekt müssen wir von vorn-herein von dem internationalen Systeme sprechen; es ver-steht sich ja von selbst, dass hier Vorteile winken. Allein wirmüssen uns auch zurufen, dass, wenn wir alle, die sich bei unsmit der Materie beschäftigt haben, früher vielleicht uns leb-