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Ich will nicht leugnen, dass ein gewisses Interesse vorhandenist, dass derselbe Ausdruck zu Grunde gelegt werde.
Meine Herren, wie Ihnen bereits bemerkt worden ist, istein solches internationales System nicht denkbar ohne gegen-seitig bindende Konventionen. Wer garantiert aber, meineHerren, wenn wir heute Konventionen gemacht haben, dass sieauch immer gelten werden? Wir haben ja erfahren, dass einKrieg jede internationale Konvention wieder zerreisst, und, meineHerren, wenn wir heute Konventionen schliessen, wer garantiertuns, dass nicht der Moment kommt, wo wir es bereuen würden,und wo wir dann gebunden sind, im eigenen Hause nicht sowirtschaften zu können, wie wir wollen, weil wir uns gegenfremde Völker verpflichtet haben.
Wir haben gerade jetzt ein Beispiel: wäre nicht der imJahre 1857 gemachte Vertrag mit Osterreich infolge des Krieges1867 gelöst worden, so hätten wir heute eine Fessel am Bein,wenn wir unser nationales Münzsystem regenerieren wollten;also auch hier ist ein Argument, das der Selbsterhaltung, vor-handen, welches zwingt, durchaus nicht aus politischem Chauvinis-mus — dagegen verwahre ich mich aufs höchste — sondern ausZweckmässigkeitsgründen nicht nach auswärts zu sehen, was wir zuwählen haben, sondern nach der Konvenienz des eigenen Volkes.
Ein zweites System, welches prätendiert, von uns berück-sichtigt zu werden, ist das des lateinischen Münzbundes, imwesentlichen des benachbarten Frankreichs . Es ist dies einbegrenztes internationales System, welches namentlich von Süd-deutschland aus eifrige Verteidiger gefunden hat; ich glaubeaber, die Süddeutschen dürfen hier wirklich nicht übersehen,dass sie zu sehr zunächst aus ihrem eigenen Eindruck heraussprechen, wenn sie den Frank als eine allen vertraute Münzedarstellen und als ein allen angenehmes Geld schildern. DerNorden ist dem Franken ganz fremd, und ich verhehle mirnicht, dass wir ihm zumuten würden eine Vergewaltigung seinerselbst in seinen Gefühlen, wenn wir ihm ansinnen wollten, sichmit dem Frankensystem vertraut zu machen. Aber, abgesehendavon, liegt in der Sache selbst eine angeborene Schwierigkeit,die ganz unlösbar ist. Wenn man von der Einführung desFrankensystems spricht, von der Adäquierung des Franken-systems mit unserem Thalersystem, so geht man immer von