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ganzen künftigen deutschen Münzwesens, welches wir deshalbvirtuell heute hier zu beraten haben. Die wichtigste Frage,welche sich bei diesem neuen Münzsystem bot, war nicht mehrdie, ob Gold eingeführt werden soll oder nicht — denn diewar von allen Seiten durch ein unabweisbares Bedürfnis ent-schieden —, sondern es war die, ob wir zur alleinigenGoldwährung übergehen sollten, oder ob wir die DoppeltWährung annehmen wollten. Meine Herren, ich wage nichtauf den Grund dieser Frage hinabzusteigen, zu erörtern, welchesdie Gefahren, welches die Vorteile der Doppelwährung sind,Die Erörterungen über Münzfragen haben wirklich das Eigen-tümliche, dass sie auf der einen Seite die feinsten Distinktionenphilosophischer Begriffszerlegung berühren, weil sie eine unbe-grenzbare Masse von Thatsachen in einen abstrakten Begriffzusammenfassen und zerlegen sollen, und auf der anderen Seitedoch in ihren faktischen Resultaten so in die allerwirklichsteWirklichkeit eingreifen, dass jeder Missgriff sich unmittelbar aufdas schwerste zu rächen droht. Daher ist es gekommen, dassin dieser Frage über die Doppelwährung, welche die feinstenund subtilsten Distinktionen über das gegenseitige Verhältnisder Metalle herausfordert, ein Gewirr von Stimmen nach undnach erwachsen ist, in dem sich zurechtzufinden stundenlangeAnstrengung nötig wäre. Nur einen Punkt, meine Herren,möchte ich, weil er so vielfach missverstanden wird, zumweiteren Verständnis unserer praktischen Erörterung hier ein-schieben. Die Frage wird immer so gefasst: soll denn, wennwir die Doppelwährung einführen, inskünftig jeder Schuldnerdie Wahl haben, ob er seine Gläubiger in Silber oder in Goldbezahlen will ? Dieser Satz wiederholt sich beinah in allenLehrbüchern, in allen Broschüren; ich habe vergebens nach einerWendung gesucht, welche die Sache etwas menschlich auffasst.Wer den herkömmlichen Satz, ohne ihn kontrollieren zu können,liest, könnte wirklich auf den Gedanken kommen, dass jedemMenschen von Natur zwei Taschen angeboren wären, in dereneiner Silber und in der anderen Gold vorhanden, und dass ernach seinem Belieben zahlen könnte, je nachdem ihm das eineoder das andere Vorteil bietet. So liegen die Dinge nicht,meine Herren, der Mensch zahlt im ganzen mit dem, was erhat (Heiterkeit), die wenigsten Menschen haben einen Vorrat