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von Geld Jahr aus Jahr ein liegen, sondern die rollende Be-wegung des Verkehrs ist so eingerichtet, dass jeder nur, kurzehe das Bedürfnis eintritt, sich das Geld zu beschaffen sucht,dessen er benötigt ist.
Nun, meine Herren, wie gehen denn die Dinge in derWirklichkeit vor in einem Lande, welches die Doppelwährunghat? Sind denn die Schuldner wirklich in der Lage, wennplötzlich auf dem Geldmarkt das Gold mehr begehrt ist als dasSilber, nun schnell in Silber zu zahlen? So machen sich dieDinge nicht, sondern folgendermassen: es tritt plötzlich auf demGeldmarkt eine grössere Frage nach Silber ein als nach Gold;die nächste Folge ist, dass die grossen Kaufleute am Welt-Geldmarkt sich mit ihren Korrespondenten in denjenigen Län-dern, wo die Doppelwährung ist, verständigen, um Silber ausden grossen Depositen herauszuholen, welche überhaupt dieQuelle sind, aus denen sich die ganze Cirkulation eines Landesspeisst, das heisst: aus den grossen Landesbanken. Wenn Silberauf dem Londoner Geldmarkt steigt, dann bekommt der Pariser Korrespondent des Londoner Kaufmanns Odre, Wechsel aufParis , die er ihm schickt, bei der Bank zu diskontieren und siesich dort in Silber auszahlen zu lassen und dieses Silber ihmzu schicken. Meine Herren, der erste Instinkt einer Bank, sowieeine Erschütterung der wechselseitigen Verhältnisse eintritt, istimmer, das nicht zu geben, was man von ihr verlangt. DieserSelbsterhaltungsinstinkt leitet die Bank ganz mit Recht, undsowie ruchbar wird, dass Silber exportiert werden soll ausFrankreich nach England, so schliesst die Bank ihren Silber-kasten und giebt nur Gold. Dann ist die Frage, dass das Be-dürfnis, welches Silber sucht, sich nun nicht mehr an diesengrossen Brunnen in der Mitte des Landes wenden kann, sonderndie einzelnen Bächlein aufsuchen muss, welche diesen Brunnenspeisen. Es werden dann die Geldwechsler in Bewegung ge-setzt, welche im Lande den zufälligen Besitzern von Silber denkleinen Vorteil bieten, den sie aus der Konjunktur ziehen könnenund nun nach und nach dieses Silber aufkaufen und hinaus-treiben. Die Folge dieser Erscheinung ist, dass, wenn über-haupt die Bewegung anhält, ein Teil des Silbers ausser Landesgeht, indem es mit kleinem Gewinne von den Händlern .ge-kauft wird, ein anderer Teil eingesperrt bleibt in der Bank, bis