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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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die Konjunktur sich wieder geändert hat, und dass jetzt dieCirkulation des mit Doppelwährung versehenen Landes nichtmehr Silber und Gold, sondern allein im wesentlichen Gold ist.Das Phänomen, meine Herren, charakterisiert überhaupt dasVerhalten der Länder bei Doppelwährung, es ist eigentlichkeine Doppelwährung, sondern eine alternierende Währung; imwesentlichen wird in einem mit Doppelwährung versehenenLande immer dasjenige Metall umlaufen, welches augenblicklichden geringeren Wert hat. Dass dies an und für sich ein Nach-teil ist, springt in die Augen. Dass aber auf der anderen Seiteein Land, welches nur ein Metall hat, sich deshalb Schwankungenentziehen könne, wollen wir auch nicht behaupten, denn jedesMetall wechselt seinen Preis und seinen Wert; ein Land istnur im geringeren Masse den Schwankungen ausgesetzt, wennes die einfache Währung, als wenn es die Doppelwährung hat.Für mich aber, meine Herren, ist neben vielen anderen Gründen,die ich Ihnen hier ersparen will, nicht das allein massgebendfür die Zuträglichkeit der Einführung der alleinigen Goldwährungin Deutschland , wie sie nach unserer Vorlage schliesslich be-absichtigt ist. Es ist nicht die Diffikultät, die in der Doppel-währung liegt, sondern es ist für mich die Uberzeugung,dass das Gold immer mehr bestimmt ist, den Um-lauf der civilisierten Nationen zu versehen. SeitJahren hat man sich gegen dieses Phänomen gesperrt, undimmer mehr hat es seine überwältigende Macht bewährt. Werweiss nicht, wie in den Jahren 1849 und 50 die Unglücks-propheten ihre Stimmen erhoben, als die grossen kalifornischenGoldminen entdeckt wurden, und behaupteten, alle Länder, dienicht sofort das Gold abschafften, würden zu Grunde gehen inihren Geldverhältnissen. Ein Land hat es damals befolgt, eswar Holland *), und es bereut es heute gewiss schwer, dass esdas gethan hat. Seitdem haben die Münzverhältnisse die ver-schiedensten Schwankungen durchgemacht und immer wiederhaben wir gesehen, dass das natürliche Bedürfnis in der gegen-wärtigen heutigen Verkehrsorganisation, anfangend von der Be-schaffenheit der Taschen in unseren Kleidern, bis zum Verkehrder grossen Nationen über See, unmittelbar darauf hinaussteuert,

*) Dieser Irrtum ist bereits oben S. 167 richtig gestellt.