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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Aufmerksamkeit nicht zu gewinnen war. Er ist autorisiertworden, die früher kontrahierten Schulden des Reiches zurück-zuzahlen, und ich glaube, er sollte auch den Moment sehr zuRate ziehen, in dem er diese Schulden einberuft, in Rücksichtdarauf, dass, wenn zuviel Geld, sei es in Deutschland , sei esnach England , das ja Teile unserer Schuldobligationen besitzt,zurückzuzahlen ist, die vielen Schwierigkeiten des Ubergangsvom Silber zu der Goldwährung noch vermehrt werden. Esist dies nicht eine überflüssige Bemerkung; denn, meine Herren,so oft uns auch gesagt worden ist, die französische Entschädi-gung erleichtert uns die Münzreform, ich sage, sie hat auchetwas, was uns die Münv.reform erschwert; denn wir bezahlenim Augenblick viel mehr, als wir sonst auszuzahlen gewohntsind. Es entsteht von selbst ein Überfluss, ein Pleroma vonCirkulationsmitteln; wenn wir Geld, das in Bundesschuld ange-legt war, wenn wir Geld für längst ausgegebene und verzehrteDinge massenweise zurückzahlen, so ist zu befürchten, dass da-durch eine grosse Masse von Cirkulationsmitteln momentan aufder Oberfläche des Landes schwimmen und diese deshalb vielleichter über den Rand des Landes hinaustreten werden, undwenn sie hinaustreten, können sie nur in Form von Goldhinaustreten, nach welchem der Appetit der Länder dermalenviel grösser ist als nach Silber.

Ich glaube nicht genug darauf bestehen zu können, dassdiejenigen Massregeln, von welchen die Einziehung von Silbergegen Gold und die nicht weitere Ausprägung nur ein Teil ist,auf das schärfste ins Auge gefasst werden. Es wird sich darumhandeln, mit der Goldausprägung so rasch als möglich vorzu-gehen, und die gegenwärtige Gesetzvorlage amendiert glücklichgegen die ursprüngliche dem Bundesrat unterbreitete Vorlage,indem sie im wesentlichen die ganze Ordnung und Kreierungder künftigen Goldwährung in die Hand des Reiches legt. Ichhabe nur Eines hier wesentlich vorauszusetzen: ich glaube wirk-lich die Zustimmung des Bundesrates zu den betreffendenMassregeln wird nur eine Verlangsam ung sein, die keinen ge-nügenden Grund hat. Ich glaube, der Bundesrat wird so gutwie der Reichstag vertrauensvoll die einzelnen Manipulationen,welche hier nötig werden, in die Hand des Reichskanzleramtesniederlegen können, und ich glaube, es ist besser, dass es ge-