Zur deutschen Münzgesetzgebung.
Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkervereine gehalten.
Wenn wir die Sache, um die es sich bei diesem Vortragehandelt, statt uns in langen philosophischen Untersuchungenund Begriffszerlegungen herumzudrehen, recht bestimmt undpraktisch angreifen wollen, so werde ich den Leser zunächsteinmal ersuchen, in seine Tasche zu greifen und das Portemonnaieherauszuziehen, er wird in demselben Papier, Silber und Kupfer— wenn auch nicht im eigenen, indessen vielleicht in demseines Nachbars — finden, und einen Monat später wird erhoffentlich auch schon einige Goldstücke bei sich tragen. BeimAnblick dieser verschiedenen Geldrepräsentanten wird er sagen,dass es doch eigentlich schwer zu begreifen ist, warum wir imReichstage und im ganzen heiligen deutschen Reich uns sosehr herumplagen mit der Frage, wie man das Geld undnamentlich aus welchem Stoff man es machen soll, da javon diesen unter einander ganz verschiedenen Stoffen Geldnebeneinander in friedlichster Eintracht und in vollständiggleicher Berechtigung existiert. Damit der Leser sich über-zeuge, dass hier, wie bei allen sinnlichen Dingen, der erste An-schein leicht trügt, will ich ihn zunächst abermals nicht in eineabgezogene Begriffszerlegung hineinführen, sondern ihm ein paarhistorische Rückblicke vorführen; denn ich liebe nichts so sehr,als die Thatsachen, um die Ansichten, die ich vortrage undvertrete, zu belegen und nahe zu rücken. Die GeschichteEuropas ist reich an kritischen Perioden, in denen die Völkerschier zur Verzweiflung getrieben wurden durch die schlechteBeschaffenheit ihrer umlaufenden Münzen. Wollte ich nureinigermassen umfassend die hervorragendsten Epochen solchtrauriger Zustände bezeichnen, so würde dies allein schon den