Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

22Ö

lische Münzreform zu übernehmen, dass er als Münzmeister andie Spitze der englischen Geldangelegenheiten gestellt wurdeund es ihm gelang, durch rasche und energische Massregelndie gesamte verschlechterte und entwertete umlaufende Münzeeinzuziehen und vollwertige wieder auszugeben. Indem er soder Gründer des neuen und soliden Verhältnisses der englischenMünze wurde, erwarb er sich ein hohes Verdienst um seinV aterland.

Nur noch ein zweites Beispiel, das dem Leser ohne Zweifelnoch näher bekannt ist: die Kalamität der französischen Assig-naten. Es ist jedem erinnerlich, dass die Finanzverlegenheitender französischen Revolution sehr bald dazu führten, dass manan Stelle des sich immer mehr versteckenden und nach Eng-land sich begebenden Silbergeldes Papiergeld zu dekretierenund demselben einen festen Wert zu sichern bemüht war; dassman Anweisungen ausgab auf eingezogene Güter des Adels undder Geistlichkeit, welche als hypothekarische Sicherheit dafürdienen sollten und die zum Teil auch mit diesem Gelde ein-gekauft werden konnten. Es dauerte aber gar nicht lange, so >war die Entwertung dieses Papiergeldes bis zu dem Grade vor-geschritten, dass I Livre in Silber gleich 6 Livres in Papier war. In dem Geiste der damaligen Gesetzgebung und des da-maligen Regimentes lag es, an einem solchen Hindernis sichnicht von vornherein zu stossen, sondern wie jene Revolutionüberhaupt glaubte, mit Machtbefehlen die ganze Welt zu einemharmonischen System reorganisieren zu können, so glaubte sieauch, dass es nur einer energischen Diktatur bedürfe, um diesPapier vollständig gleich zu machen mit dem Metallgelde. Weilnun das Papiergeld seine Ungleichheit gegen das Silbergeldzunächst darin zeigte, dass man zweierlei Warenpreise eingeführthatte, einen für den, der mit Assignaten kaufte, den anderenfür den, der mit Metall kaufte, wurde, um dem zu begegnen,das sogenannte Maximum eingeführt, d. h. es wurde befohlen,dass die notwendigen Lebensbedürfnisse zu einem bestimmtenPreise in Assignaten verkauft werden mussten, welcher diesesMaximum nicht übersteigen durfte. Die unvermeidliche Folgeeines solchen Dekretes war, dass die Kaufleute, die eine in sichwertvolle Ware besassen, wie Getreide, Mehl etc., lieber garnicht verkauften, als zu solchen Preisen. Nun wurde ein neues

l