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teilen Silber, ist 15 '/omal soviel wert wie 1 Gewichtsteil Silber.Ganz genau so ist das Verhältnis nicht immer gewesen, abersehr viel grösser oder kleiner war der Unterschied eigentlichnie. Im Altertum schwankte er in Verhältnissen, die denheutigen nicht gar so unähnlich sind; der niedrigste Verhältnis-fuss ist der von 10: 1; er geht aber auf 12 : 1 ungefähr im1. Jahrhundert n. Chr. und geht bis 14: I, d. h. immer: dasSilber ist das minderwertige und das Gold das höherwertigeMetall. In der früh-mittelalterlichen Zeit bestand sehr lange dasVerhältnis von 10 : 1. Eine Revolution trat erst ein mit jenergrossen Entdeckung, die überhaupt ja unseren alten Erdteil inein neues Verhältnis hineinwarf, nämlich mit der Entdeckungvon Amerika . Damals verringerte sich der Wert des Silbersim Verhältnis zu dem des Goldes in raschem Tempo. Eswurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die grossenmexikanischen Silberminen entdeckt, und infolge dessen strömteeine solche Menge Silber nach Europa , dass das fast 600 Jahrekonstante Wertverhältnis des Goldes zum Silber, 1:10, auf 1:14stieg. Neben dieser Störung des bisherigen Wertverhältnissestrat noch eine andere beiden Metallen gemeinsame ein: es ver-ringerten sich überhaupt die Metallwerte im Verhältnis zumWerte der Dinge, mit anderen Worten: es trat eine allgemeinePreissteigerung ein, oder, wie man noch heute landläufigerweiseganz richtig sagt: das Geld wurde wohlfeiler. Es wurden auchGoldminen entdeckt, und da Gold und Silber als Substanzenzur Geldbereitung immer die ersten Dienste thun, so wirken sieauch immer gegenseitig aufeinander ein, das Anschwellen derVorräte des einen Metalls muss entwertend wirken auf denWert des anderen Metalls, da sie ja beide vielfach nebenein-ander umlaufen; und so kam es, dass im Laufe des 16. Jahr-hunderts grosse Störungen in den Preisverhältnissen der ganzenWelt eintraten, welche sich in ungeheuren Klagen der Re-gierungen und des Volkes Luft machten; es wurde das, wasfrüher ein gewisses Geldstück wert war, 4—5 mal so hoch be-zahlt, und es musste vielfach eingegriffen werden, bis die Ver-hältnisse so geregelt waren, dass die alten Preise und alten Ver-pflichtungen, die in Geld übernommen waren, auch dem augen-blicklichen Geldwerte entsprachen. Eine ähnliche Situation botsich dar zur Zeit, da, nachdem die französische Revolution die