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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Nähe gemachten Versuche, eine praktische Münzreform undOrganisation einzuführen teils in Europa , teils im eigenen Vater-lande. In Deutschland war ja die kleinstaatliche Misere in alleseingedrungen, und nicht am wenigsten in das Geldwesen, undnur durch den Beschluss, den der deutsche Reichstag in dieserSache gefasst hat, können wir hoffen, dank der Schaffung einesneuen deutschen Reiches auch diesem Unwesen ein seligesEnde zu bereiten. Wir hatten bis 1857 ich weiss nicht mehrwieviel verschiedene Münzgattungen, und an jedem Schlagbaumbegann eine neue Rechnung und ein noch hässlicheres Geld,namentlich im Punkte der Scheidemünze und des Papiergeldes,die an Hässlichkeit nicht ihres Gleichen haben auf beidenHemisphären. Im Jahre 1857 vereinigten sich nun die deutschenStaaten, um in dem Wirrwarr wenigstens etwas aufzuräumen;*)auf der Münzkonferenz zu Wien in genanntem Jahre wurdenunter anderem die sogenannten Doppelthaler gleich 3 7 Gul-den vereinbart,**) die uns allen ja bekannt sind, in denen eingewisses gemeinsames Mass lag; statt der alten Mark, auf die14 Thaler gingen, wurde ein modernes Mass festgesetzt, dasPfund, aus dem einzelne 30 Silberthaler geprägt werden sollten;ferner wurde den Staaten die Verpflichtung auferlegt, schlechteMünzgattungen einzuziehen unddie aus ihren Münzstätten her-vorgegangenen Münzen, wenn sie durch den Umlauf allmählichunter das zulässige Passiergewicht herabgesunken sind, so-fern sie nur keine Spuren absichtlicher oder gewaltsamer Be-schädigung an sich tragen zum vollen Nennwert einzulösenund auf diese Weise den gesetzlichen Münzfuss, soweit menschen-möglich, unverändert aufrecht zu erhalten". Bis zu einem gerwissen Grade wurden so Verbesserungen und eine gegenseitigeÜberwachung eingeführt. Seitdem hat eigentlich die offiziellePolitik die Sache nicht weiter in die Hand genommen, bis dernorddeutsche Reichstag sich in Verfolg der Mass- und Ge-wichtsordnung damit befasste. Der Bundesrat des norddeutschenBundes hatte dann die einheitliche Regelung der Münzverhält-

*) Anm. des Herausgebers: Die ersten Münzvereine datieren aus denJahren 1837 (Süddeutschland) und 1838 (gesamter Zollverein).

**) Anm. des Herausgebers: Der Doppelthaler = 3% Gulden wurde bereitsauf der Dresdener Münzkonferenz von 1838 als Vereinsmünze angenommen;dazu kam 1857 als wichtigste Vereinsmünze das Einthalerstück.