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nisse nicht nur für Norddeutschland, sondern für Gesamtdeutsch-land in Aussicht genommen, und zur Vorbereitung dieser Ge-setzgebung durch Beschluss vom 3. Juni 1870*) für den Herbst1870 eine umfassende Enquete über die Münzfrage angeordnet.Der Krieg verhinderte die Ausführung dieses Beschlusses.Während die Sache offiziell ruhte, ruhte um so weniger dervolkswirtschaftliche Geist, der mächtig rege geworden ist inNord- und Süddeutschland. Alle volkswirtschaftlichen Kon-gresse nahmen in eingehender und lebhafter Diskussion dieSache in die Hand und verlangten für ganz Deutschland dieUnifikation und rationelle Einrichtung - des Münzwesens. Da-mals beschäftigte man sich noch nicht mit der Frage, obGold- oder Silber- oder Doppelwährung, und wenn man dieseVerhandlungen liest, so muss man gestehen, dass dabei inAussicht genommen war, dass Deutschland ausschliesslich Silber-währung haben sollte. Wieder trat die Sache in eine poli-tische Phase. Von Frankreich , das nach seinen Launen baldKrieg, bald Bruderliebe der Welt dekretierte und das auch dasschöne Ideal eines sämtlichen civilisierten Völkern gemeinsamenMünzwesens in die Welt hineinwarf, wurde im Jahre 1867**)ein Kongress behufs Regelung dieser Frage nach Paris berufen,mit den üblichen Beglückwünschungsansprachen eröffnet, undversucht, alle europäischen und amerikanischen Staaten zurFestsetzung eines allgemeinen, internationalen Münzsystems zuveranlassen. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Reihe vonGrundsätzen aufgestellt, deren erster war, dass man nicht aus-schliesslich Silber, sondern gerade ausschliesslich Gold, nichtbeide neben einander, zur Grundlage der Münzsysteme der mo-dernen Staaten machen solle. Das klingt einigermassen über-raschend nach den Überzeugungen, die 15 Jahre früher vonFrankreich ausgegangen waren, allein Thatsachen beweisen unddie Erfahrung belehrte auch die hartnäckigsten Systematiker undso auch die Gegner der Goldwährung, dass das Gold eine un-widerstehliche Gewalt hat, sich in den Gebrauch der modernenWelt einzuführen. Wie illusorisch und unberechtigt die Be-fürchtung war, dass die grosse Produktion von Gold den Wert
*) Anm. des Herausgebers: In der ersten Ausgabe: 1860.
**) Anm. des Herausgebers: In der ersten Ausgabe: 1865/66.