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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
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des Goldes*) herabdrücken müsste, dafür will ich, um nichtdas Gedächtnis des Lesers mit vielen Zahlen zu belasten, vondenen ich eine ganze Reihe aufführen könnte, nur eine Zifferanführen. Im Jahre 184150 war die durchschnittliche jähr-liche Gesamtförderung von Gold nach sorgfältig angestelltenUntersuchungen auf 50 Millionen Thal er geschätzt, im Jahre1867 war dieselbe angewachsen auf etwa 180 Millionen Thaler,also ungefähr auf das 3 x / 2 fache. Nehmen wir aber den Preis,zu dem eine Unze Silber auf dem Welt- und Geldmetallmarktein London ge- und verkauft wurde, so war derselbe im Jahre1850, beim Beginn der Steigerung der Goldproduktion etwa61 d per Unze und im Jahre 1867, 6o 9 / 16 Pence per Unze: alsobei der 3 1 / 2 fachen Goldproduktion sogar eine Schwankung zumhöheren Goldwert hin! Woraus ist dieses Phänomen zu er-klären? Ganz einfach daraus, dass das Gold sehr geeignet ist,«ich dem Gebrauche in unserem modernen Geldverkehr anzu-passen, dass es auf einer sehr viel grösseren Fläcfie, als jemalsangenommen werden konnte, Eingang fand und auch imgrössten Masse zur Verwendung kam, und daher auch dieNachfrage nach demselben in noch grösserem Massstabe zu-nahm als die Erzeugung desselben. Die Gründe liegen auf derHand, weshalb Gold sich soviel mehr dazu eignet, als Geldverwandt zu werden, denn Silber. Der einzige Grund kannschon genügen, dass es soviel mehr wert ist, dass man sovielgeringere Gewichtsmengen zu dem gleichen Geldzweck braucht.Dies ist von Bedeutung sowohl für uns, die wir es in denTaschen tragen müssen, wie in noch höherem Grade für denBaarverkehr im Welthandel, denn es liegt auf der Hand, dassdie Summe, die der jetzige Geldverkehr in Anspruch nimmt,in Gold soviel leichter hin- und hergeworfen werden kann, alsSilber, und damit im Handel und Verkehr grosse Transport-kosten und Schwierigkeiten erspart werden. Im Welthandelist eine Million Thaler nicht viel, und da wird es vielleichtnicht uninteressant sein, zu hören, wieviel deren Gewicht in

*) Anm. des Herausgebers : In der ersten Ausgabe, in welcher der ganzefolgende Text samt Zahlenangaben in vollständiger Verwirrung ist, heisst es hierSilbers"; das giebt natürlich gar keinen Sinn, denn eine Entwertung des Silberswar als Folge der vermehrten Goldgewinnung nicht befürchtet worden. Die Zahlen-angaben über Goldproduktion und Silberpreis sind im obigen Text richtig gestellt.