dass dieses zuerst vorgelegt wurde, liegt in der eigentümlichenKonstellation, die der französische Krieg, resp. der darauffolgende Friede in Europa herbeigeführt hat. Dadurch dassFrankreich auferlegt ist, eine so grosse Kriegsentschädigung wie5,000,000,000 Franks innerhalb weniger Jahre auszuzahlen, istin den Schuldverhältnissen von Land zu Land die Lage ent-standen, dass die Wechselkurse zu Gunsten Deutschlands sichmit grosser Beharrlichkeit stellen müssen. Es sei mir erlaubt,mit ein paar Worten zu erklären, wie dieses im ganzen mystischklingende Verhältnis, das sehr viele praktizieren, aber nurwenige verstehen, eigentlich beschaffen ist. Der Austausch derDinge im internationalen, im Welthandel wird nur zum geringenTeile durch Baarzahlungen vermittelt; keine Summe der vor-handenen Edelmetalle würde genügen, um die ausserordentlichenMassen von Natural- und Industrieprodukten, welche unter denverschiedenen Ländern und Erdteilen zugleich ausgetauschtwerden, bar zu bezahlen. Die Ausgleichung geschieht so, dasssämtliche Länder der Welt auf den verschiedensten Kreuz- undUmwegen mit einander kompensieren: es findet im grossenstatt, was im kleinen im sogenannten Clearing-house in London stattfindet. Die englischen Bankiers haben in den Geschäftendie Erleichterung eingeführt, dass im Laufe des Tages keinerden anderen bezahlt, sondern über die etwaige Forderung anden Berechtigten eine schriftliche Anweisung ausstellt. AmAbend kommen die Bankiers oder deren Clerks zusammen imClearing-house und tauschen die Checks aus, A eine Anweisungauf B, C eine solche auf D etc., und so findet sich, dass von100,000 £ Schulden und Forderungen vielleicht 99,000 £ sichausgleichen, ohne dass man den Geldbeutel zu öffnen braucht.Ganz so geschieht es durch Wechsel im Weltverkehr. EineForderung für in ein anderes Land gelieferte Ware wird da-durch besorgt, dass der Verkäufer einen Wechsel auf den aus-ländischen Empfänger ausstellt, den dieser zu zahlen hat; dieWechsel werden dann unter einander kompensiert, ge- und ver-kauft, und so bilden die Wechsel eigentlich die Hauptsubstanzder Austauschmittel, das Geld des grossen Weltverkehrs —bare Ausgleichungen sucht der Handel in der Regel zu ver-meiden. Ist nun das Verhältnis zwischen zwei Ländern so, dasssie von einander nahezu gleichviel kaufen, so werden sich die
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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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242
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