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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Forderungen im Laufe bestimmter Fristen ausgleichen, und derWechselkurs steht dann so, dass man nicht die Kosten daransetzen kann, das wirkliche Metallgeld in das andere Land zuschicken, sondern weil es wohlfeiler ist, Papier per Post zuschicken, dieses für Zahlungen ankauft. Tritt aber der Fall ein,dass ein Land mehr kauft, als es an andere Teile der Welt ver-kauft, so dass es also keine genügenden Kompensiermittel hat,so muss es zu dem äussersten Mittel greifen, dass es nämlichin Geld bezahlt resp. Barren dorthin schickt. Eine Folge dessenist, dass das Geld in dem betreffenden Lande rar wird, derZinsfuss steigt, die Preise fallen, und erst nach und nach, wenndie Preise wieder soweit gewichen sind, dass auch fremdeLänder wieder von demselben kaufen können, stellt sich all-mählich das alte Niveau zum Ausland wieder her. Ich habedies nur angedeutet, um zu zeigen, wie die Kursverhältnisse zuGunsten Deutschlands stehen, und dass an Geldexport nachfremden Ländern unsererseits nicht gedacht werden kann, dennwir haben das Geld nicht nur von Frankreich zu bekommen,sondern auch von den dritten Nationen, die sich leihweise ander Schuld Frankreichs an uns beteiligen, und wir werden so-bald nicht in die Lage kommen, Metall nach dem Auslandezu schicken.

Dieser Umstand erleichtert uns die Einführung des neuenMünzsystems. Bisher bestand immer die Besorgnis, dass, wennwir Gold als Münze einführten, wir stets fürchten müssten, sehrbald dies ins Ausland wandern zu sehen. Das Moment nun,dass durch die Zahlung der Kriegsentschädigung die Wechselund Kursverhältnisse bedeutend modifiziert nicht, dass wirdurch die Kontribution bereichert sind, denn ein grosser Teilderselben wird für die Armeebedürfnisse angewiesen werdenmüssen, und, die indirekten Opfer einbegriffen, hat der Krieguns wohl mehr als die 5 Milliarden gekostet macht esDeutschland so bedeutend leichter, zu einer guten Münzreformvorzuschreiten. Die in nächster Zeit auszuprägenden Münzenwerden zuvörderst die Zehnmarkstücke gleich 3 1 / i Thaler unddie Zwanzigmarkstücke gleich 6 2 / s Thaler sein. Was diePrägung betrifft, so wissen wir aus den Debatten des Reichs-tages, dass es sich darum handelte, ob das Bildnis des Kaisersauf allen Münzen zu schauen sein solle oder ob sie das Bildnis

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