Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

Rede über das Münzgesetz,

gehalten im Reichstag am 28. März 1873.

(Vgl. Einleitung S. 48 ff.)

Meine Herren! Ich kann mich den Ausführungen desHerrn Bundeskommissars, die uns in anschaulicher Weise eineUbersicht der gegenwärtigen Lage den Thatsachen nach ge-geben haben, vollkommen anschliessen und sofort in die Be-trachtungen eingehen, welche zum Mittelpunkt die Aufgabe desheutigen Tages haben.

Ich glaube, die erste Frage, die sich uns aufdrängt, wennwir nach beinahe anderthalb Jahren an die Ausführung des Ge-setzes gehen, dessen Grundlagen wir Ende November 1871 ab-geschlossen haben, wird wohl die sein: hat sich in der Zwischen-zeit die angenommene Maxime bewährt, wenn auch nicht durchdie Erfahrung, der sie nicht in grossartigem Masse preisgegebenwar, doch durch das ernst prüfende Nachdenken, welches nacheiner so wichtigen Entschliessung in so langer Zeit bedeutendreifen muss? Und hier glaube ich nun mit Beruhigung sagenzu können, dass Alles, was wir seit jener Epoche erlebt haben,uns die Sicherheit giebt, dass wir unsere damaligen Entschlüssenicht zu bereuen haben. Es waren ja wesentlich zwei Punkte,welche in jener Zeit in Frage gestellt sein konnten: der einebetraf die Frage der Goldwährung überhaupt, der andere dieFrage des nationalen oder internationalen Münzsystems. Inbeiden Punkten hat die Erfahrung aller Nachbarländer voll-ständig approbiert, was wir damals beschlossen haben. DieLänder, welche noch Silbermünzen haben, sind entweder in