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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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dass wir heute wieder vor der Staatspapiergeld-Gesetzgebungallein stehen. Ich erkenne nicht an, dass ich inkonsequent wäre,indem ich mich heute mit dieser Aufgabe befasse, und ich binnoch weniger in der Lage, dies zu thun, nach der Erklärung,die wir heute gehört haben vom Ministertische, nach der Er-klärung, die implicite in der Gesetzesvorlage liegt, und endlichnach einer ganz förmlichen Erklärung, die in demjenigen Be-scheid zu finden ist, welche der Bundesrat erlassen hat alsAntwort auf die verschiedenen Beschlüsse und Anfragen, diein der vorigen Session vorgekommen sind und worin er beidem Bescheid über die Resolution wegen einer Bankgesetzgebungganz ausdrücklich in unsere Hände aktenmässig die Erklärungniedergelegt hat, es soll in der nächsten Session ein solchesBankgesetz vorgelegt werden. Ich glaube, meine Herren, prak-tisch können wir unmöglich mehr verlangen als dies, und wennder Herr preussische Finanzminister uns nur verbriefen will,dass wir in nächster Session die Frage zur Erörterung habenwerden, nicht dass wir sie lösen, so hat er im Grunde nichtsanderes gethan, als was er nicht lassen kann. Er kann sichja unmöglich dafür verbürgen, dass wir gemeinsam die Fragelösen werden. Er hat vielleicht mit dieser Wendung etwasmehr Skepsis in den Gegenstand geworfen, als mir lieb ist undvielleicht notwendig war, er hat vielleicht damit dem Verdacht,den mein Freund Mösle gegen ihn ausgesprochen hat, dass esihm nicht allzusehr eile mit den Gesamtmassregeln, welchePreussen in einen gewissen Interessenkonflikt mit dem Reichebringen könnten, mehr Nahrung gegeben, als zur Widerlegungdes Abgeordneten Mösle wünschenswert gewesen wäre, und ichwill diese Gelegenheit benutzen, um dem Herrn Finanzminister,der ja weiss, welche hohe Achtung ich vor seinen Leistungenhabe, zu sagen, dass ich glaube, er hatte Unrecht, sich überdas Übermass von Kritik zu beschweren, welches Herr Möslegegen ihn ausgeübt habe. Ich bin weit entfernt davon, alles zuunterschreiben, was mein Freund Mösle gesagt hat, aber ichglaube, es ist ein starker Ausdruck, zu sagen, dass in der par-lamentarischen Karriere ein solcher Tadel, so viele Vorwürfenoch nicht vorgekommen seien. Das beweist mir nur, dassHerr Finanzminister Camphausen eine sehr dornenlose und glück-liche ministerielle Karriere hinter sich hat. (Heiterkeit.)