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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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wenig aus der Debatte, welche bei Artikel 18 im vorigen Reichs-tage stattgefunden hat, herauslesen, dass mit Bestimmtheit erklärtworden ist, wir würden die Reichspapiergelds-Gesetzgebung nurdann emanieren lassen, wenn uns gleichzeitig das Bankgesetzvorgelegt würde. Es ist meines Erachtens, gerade weil sie inallgemeiner Form eingegangen ist, die Verpflichtung, welcheder Reichstag gegenüber den verbündeten Regierungen über-nahm, eine Ehrenverpflichtung, und Ehrenverpflichtungen müssenimmer im weitesten Sinne interpretiert werden. Ich bedauredas nicht, denn nach den Erklärungen, die wir hier gehörthaben, ist die Trennung beider Gesetzesmaterien vielleicht eineüberhaupt nicht einschneidendere, als ein notwendiger Geschäfts-gang mit sich bringt. Wir haben ja bis jetzt in den Verhand-lungen über die ausserordentlich schwierige Aufgabe einer Münz-reform unseres Vaterlandes, auch wie ich glaube zu unseremVorteil, den ganz richtigen Gang eingehalten, dass wir zwarnicht verkannt haben, dass jede einzelne Etappe, um mich soauszudrücken, dicht an die andere sich anschliesst, vielleicht nurTeil des Ganzen ist, wir haben aber nichtsdestoweniger doch,wie ich meine, uns ganz wohl dabei befunden, dass wir Etappefür Etappe in möglichst rasch aufeinander folgenden Zwischen-räumen behandelt und zu Ende gebracht haben.

Meine Herren, als wir zum ersten Male 1871 das Gesetzwegen Ausprägung von Reichsgoldmünzen behandelten, glaubeich, ist uns gesagt worden und ist es uns nicht gesagt worden,so konnte es uns gewiss mit der grössten Entschiedenheit ge-sagt werden, dieses Gesetz hängt doch ganz eng zusammenmit einer Münzreform überhaupt, und als wir im vorigen Jahredie Bestimmungen über die Münzreform im grossen und ganzen,abgesehen von den Goldmünzen, erliessen, konnten ebensodie übrigen Fragen genannt werden, deren Lösung nötig ist,damit wir das gesamte System der Tausch- und Verkehrsmittelunseres Vaterlandes auf die Höhe einer geeinigten und gebildetenNation bringen. Nun, meine Herren, wir haben uns gut dabeibefunden, dass wir jede dieser schwierigen und dornigen Auf-gaben isolierten mit dem Vorbehalt, unmittelbar nachdem siegelöst, die andere vorzunehmen, und nie, indem wir die einelösten, die Blicke zu verschliessen gegen das, was in nächst-folgender Zeit kommen müsste; und ich bedaure deshalb nicht,