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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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gehabt haben, Papiergeld zu machen, aber wir befinden unsgegenüber fertigen Thatsachen. Wir haben auf der einen Seitedie finanzielle Last, welche auf den einzelnen Staaten ruht,wenn wir ihnen den Zwang auferlegen, einfach und ohne Gegen-währ ihre Staatspapiere einzuziehen; wir haben auf der anderenSeite die doch nicht so ganz zu unterschätzende Gewohnheitunseres Volkes, sich auch des kleinen Papiers zu bedienen.Herr Mösle mag uns noch so viel faktische Belege ad hominem aus seiner Tasche ziehen, um uns zu beweisen, wie gut manmit Geld in Portemonnaies und Rollen und dergleichen umgehenkann, er wird mir nie beweisen, dass nicht auch zahlreiche Fällevorkommen, wo es nicht doch bequemer ist, für eine kleineMünze ein Blättchen Papier zu haben. Das deutsche Volk hatsich in seinem Verkehr an diese Dinge gewöhnt, und ich würdeihm nur zumuten, sich dieses abzugewöhnen, wenn ich damiteine Kalamität verknüpft sähe.

Ich habe auch noch einen zweiten Grund, meine Herren,warum ich für nötig halte, dass wir jetzt ein Gesetz wegen desStaatspapiers geben. Wir haben die Banken, wenn ich michso ausdrücken darf, zwar auf schmale Rationen gesetzt, wirhaben sie verpflichtet, ihre Noten auf 100 Mark zu erhöhen,aber wir haben ihnen in dem Spielraum ihrer bisherigen Thätig-keit keine Schranken gezogen. Hier haben wir also nur einerelative Unfreiheit eingeführt, auf der anderen Seite im Staats-papiergeld haben wir tabula rasa gemacht, wir haben einfachgesagt: es muss am i. Januar 1876 eingezogen sein. Nun,meine Herren, wie der Herr Finanzminister schon vorhin gesagthat, ist ja gar nicht mit Sicherheit zu verbürgen, dass wir unsbis zum genannten Termin über ein Bankgesetz einigen werden.Was geschähe nun, wenn wir uns nicht einigen und das Staats-papiergeld aufheben? Kleine Noten werden die Banken zwarnicht mehr ausgeben, aber es ist gar keine Frage, dass die An-zahl von grösseren Noten, von 100 Mark-Noten, sich vermehrenwürde durch die Einziehung des Staatspapiergeldes. Wir habenbereits, namentlich im Süden, einen ganz bedeutenden Postenan Staatspapiergeld, das 50 Gulden beträgt, also dem Betragvon 100 Mark ja sehr nahe kommt, und wir hätten dann ganzgewiss zu gewärtigen, dass nichts anderes geschehe, als dass dieBanken durch Mehremission von Banknoten sich bereichern auf