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Kosten des Reiches, das sich die Sparsamkeit und Enthaltsam-keit auferlegt, kein Papiergeld zu machen. Ich glaube, dass dasauch ein zwingender Umstand ist, zu dieser Massregel über-zugehen. Im übrigen, meine Herren, so sehr ich auf eine ge-sunde Geldwirtschaft halte — und ich glaube, ich habe dasbelegt durch meinen Eifer für die Einführung der Goldwährungund der freien Prägung, deren Zweck es ist, dass nur wirklicheWerte als Tauschwerte cirkulieren —, so sehr ich auf ein ge-sundes Umlaufsystem sehe, zu dem Fanatismus eines Metall-temperänzlers bringe ich es nicht. Die Leute, welche glauben,dass man absolut nichts nehmen dürfe als Metall, auch in kleinenBruchteilen, gehören zu denjenigen, die, wie ich glaube, nicht mitPrinzipien zu wirtschaften verstehen, weil man auch das bestePrinzip tot machen kann, wenn man es übertreibt. WasStaatspapiergeld in mässigen Beträgen sei, darüber kann diePraxis sowohl als die Schule kaum zweierlei Meinung sein.In der Quantität, wie ich es für das Deutsche Reich wünsche,ist es eigentlich nur ein System von Checks, von Anweisungen,welche zwischen dem Staate und dem Steuerpflichtigen umher-laufen. Dieses Geld, welches der Steuerzahler heute dem Staatebezahlt, der Staat morgen dem Steuerzahler zurückgiebt, brauchtnicht mehr Gold zu sein, als die Checks, die jeden Abend imClearing-house zu London zwischen den einzelnen Bankers aus-getauscht werden, und so wenig der Abgeordnete Mösle ver-langt, dass die Checks aus barem Golde bestehen sollen, sowenig verlange ich, dass dieses Steuergeld, wenn ich mich soausdrücken soll, aus barem Golde bestehe, vorausgesetzt, dass es.in den Schranken einer mässigen Summe bleibt. Meine Herren,ich kann einfach exemplifizieren auf die Scheidemünze; wirhaben Scheidemünzen von Silber sehr stark unterwertig geprägtin der festen Überzeugung, dass, wenn einmal unsere Handels-bilance zum Ausland in Gefahr kommen sollte, diese unter-wertigen Scheidemünzen nicht für vollwertig gelten könnten, sowenig wie das Papier. Wir haben uns aber dabei vollkommenberuhigt, weil wir wissen, dass der Beruf dieser Scheidemünzenund unterwertigen Münzen nur der ist, innerhalb der stets imLande sich bewegenden Verkehrswege zu cirkulieren, und dasssie in das Ausland, wo es gilt, Farbe zu bekennen, nicht ge-