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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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langen. Aus demselben Grunde ist auch eine mässige Summevon Staatspapiergeld meiner Ansicht nach nicht schädlich.

Nun hat uns der Abgeordnete Mösle auch den alten Ein-wurf der Schule wiederholt, der stets seit 100 Jahren von einemBuch ins andere wandert und jedes Jahr dabei eigentlich wenigerwahr wird. Es ist das der Einwurf, dass, wenn der Staat ein-mal den vielbesungenen lasterhaften Weg betritt, etwas Staats-papiergeld zu machen, er dann unaufhaltsam auf der abschüssigenBahn der Papierfabrikation herabgezogen wird. Meine Herren,das ist eine pure Theorie, die Praxis widerspricht dem voll-kommen. Meine Herren, die Staaten, die in Not kommen, diemachen Papier, wenn sie kein anderes Geld haben, und habensie auch nie vorher Staatspapiergeld gehabt; die Not lehrt beten,die Not lehrt auch Staatspapiergeld machen. Und wenn siePapiergeld haben, so machen sie es deshalb nicht schneller, alswenn sie keines haben. Wollen Sie einen praktischen Beleg,meine Herren ? Greifen Sie doch nur in das Aktenstück, welchesIhnen mit dem vorliegenden Gesetz gegeben worden ist, undgehen Sie nicht weiter, als bis zur zweiten Nummer. DasKönigreich Bayern hat die Grundsätze der Keuschheit undEnthaltsamkeit, die mein Freund Mösle predigt, bis zum Jahre1866 kalt wie Eis und rein wie Schnee aufrecht erhalten, es hatkein Staatspapiergeld gehabt, und im Kriege des Jahres 1866der doch kein 30 jähriger Krieg war, im Jahre 1866 ist es augen-blicklich zum Staatspapiergeld übergegangen. Meine Herren,gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen; wenn der Staat Geldbraucht und hat kein Metall, so muss der Staat Papiergeldmachen, und es ist ganz gut, dass er noch dieses Mittel hat.Amerika wird es nicht bedauern, dass es sich mittels der Green-backs aus der Not helfen konnte. Aber zu glauben, dass esgegen diese Not schütze, wenn man Staatspapiergeld nicht habe,ist ein alter Schulirrtum, auf den ich mich nicht weiter einzu-lassen brauche.

Nun, meine Herren, wenn Sie vielleicht mit mir darübereinig sind, dass wir uns vor dem Prinzip als solchem nicht zufürchten haben, so erlaube ich mir, noch einen weiteren Punktzu berühren, der heute nicht zur Sprache gekommen ist, deraber meines Erachtens auch in der allgemeinen Debatte ange-regt werden muss. Es hat noch niemand von der Eigenschaft