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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Silber doch schon rascher gegangen wäre, als sie bis jetzt ge-gangen ist. Ich sage, meine Herren, wir haben Glück. Wirhaben das Glück gehabt, dass wir eine Masse von Fünffranken-stücken als Kriegsentschädigung bekommen hatten, die dankder eigentümlichen und gar nicht zu erwartenden Konstellationder Valutaverhältnisse in Frankreich nicht bloss ohne Schaden,sondern sogar mit Nutzen von dem Reiche wieder abgegebenwerden, die wir also nicht einzuschmelzen brauchen. Wir habenferner das Glück gehabt, dass die sogenannte lateinische Münz-konvention existierte, welche die fünf Staaten festband, dasskein einzelner zur Goldwährung übergehen konnte, wie deroder jener sehr gern gemocht hätte, dass diese Staaten vorkurzem sich verpflichtet oder erlaubt haben, von neuem 140Millionen Silber auszuprägen. Wir haben ferner das Glückgehabt, dass Holland , welches die Goldwährung einführen wollte,als das Gesetz in die Kammer kam, bei dem ersten Artikelstutzig wurde und sich nicht einigen konnte über diesen Artikel,und dass das Gesetz vorerst wieder reponiert wurde. So hatsich alles gewissermassen für uns verschworen, uns die eigen-tümliche Lage, in die wir uns in unserem Überfluss an Silbergesetzt haben, zu erleichtern. Ja, meine Herren, wenn es nichtwie Blasphemie herauskäme, so möchte ich sagen, unserem Glückzu Liebe mussten die armen Hindus in eine Hungersnot geraten,damit die englische Regierung in die Lage kam, Massen vonSilber jetzt nach Indien zu schicken, eine Anleihe zu machen,welche in barem Silber bezahlt werden muss, und dadurch dasSilber und den Silberbedarf mehr zu steigern, als wir erwartenkonnten. Meine Herren, ich sage deshalb, wir waren glücklich,aber verlassen wir uns doch nicht allzusehr und allzulange aufdieses Glück. Ich bin keiner von denen, die jeden AugenblickHannibal vor den Thoren sehen und sich vor dem Kriegefürchten, der morgen oder übermorgen hereinbricht, aber sichersind wir doch eines ewigen Friedens nicht, und denken Sie,wie peinlich und gefährlich es für unsere ganze Münzreformwäre, wenn eine neue Störung des europäischen Friedens mittenin die Durchführung derselben hineinkäme.

Noch eine andere Gefahr, meine Herren, auf die ich auf-merksam machen muss, weil ich wenigstens ebenso viel Wertdarauf lege, dass es dem preussischen Herrn Finanzminister und