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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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wir mit unserer Münzreform recht langsam vorgehen wollen,wenn wir lange auf unserem Gold im Kasten sitzen bleibenwollen, unser Silber recht langsam einziehen wollen, wenn mitanderen Worten unsere ganze Münzreform auf dem Papierstehen soll, dann eilt es auch am Ende nicht so sehr damit,dass wir unsere Papiercirkulation beschränken. Aber ich wünschedie Beschränkung dieser Papiercirkulation unter anderem auch,weil ich ein etwas rascheres Tempo in die Durchführung unsererMünzreform bringen möchte. Ich bin ja vertraut mit den prak-tischen Schwierigkeiten, welche z. B. der Einziehung des Silbersund der Hinauslassung des Goldes im Wege stehen können,aber man fragt sich doch im Volke, und Sie haben sich gewissauch schon gefragt: wo steckt denn all das Gold, die 340 MillionenThaler, die wir bis jetzt geprägt haben? und es wird Ihnenschwer werden, ihnen nachzugehen. Ein Teil steckt in dendeutschen Banken, ein Teil steckt in der preussischen Bank, ichglaube, ein sehr grosser Teil steckt noch im Reichsschatz, undin der wirklichen Cirkulation ist sehr wenig. Gleichmässig istäusserst wenig Silber aus der Cirkulation gezogen, vielleicht -ich glaube, es ist vorhin schon bemerkt worden im ganzenetwas wie 10 Millionen Thaler, ein verschwindendes Nichts.Nun weiss ich ja, dass wir vielleicht dadurch, dass wir diese10 Millionen zu dem höchsten Preise, der in den letzten sechsMonaten zu erzielen war, verkauft haben, ein Achtel, ein Viertel,oder unter Umständen drei Achtel an diesem Silber mehr ge-wonnen haben; aber meine Herren, in diesem Tempo könnenwir die Sache doch nicht weiter führen, ohne eine ganz un-endliche Zeit zu warten, bis wir am Schlüsse unserer Münzreformsein werden. Wir haben grosses Glück bis jetzt gehabt, meineHerren, wie im Kriege, so auch im Frieden mit dieser grossenund schwierigen gefahrvollen Reform, aber ich meine, es istauch eine alte Weisheitslehre, dass man das Glück nicht müdemachen soll, und ich fürchte darin nähere ich mich wiederumein wenig den Anschauungen des Plerrn Mösle ich fürchte,das preussische Finanzministerium in seinem Zusammenhangemit der Reichsverwaltung, in der es ja einen grossen Einflussausübt, hat doch nicht diejenige Wärme für die rasche Durch-führung unserer Münzgesetzgebung, wie ich wenigstens wünsche,ich würde sonst glauben, dass namentlich die Verwertung von

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