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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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ihm von vornherein Recht giebt. Wir stehen den verbündetenRegierungen gegenüber in einer Meinungsverschiedenheit überdie Einführung einer Reichsbank, und sowohl nach den Äusse-rungen, die wir heute hier vernommen haben, als nach allem,was wir Gedrucktes zu lesen Gelegenheit hatten, haben wirimmer nur das Prinzip einer Reichsbank bejahen hören;es handelt sich also bloss um die Frage, ob denn dieses Prinzipderzeit nicht ausführbar, oder ob es entbehrlicher sei, als ingewöhnlichen Zeiten. Seitdem wir durch die Mitteilungen inder Presse mit der betreffenden Vorlage bekannt gewordensind, wie auch bei dem heutigen Vortrage, war die grössteSpannung bei mir immer darauf gerichtet, zu erfahren, wodenn die Hindernisse zu suchen seien, die einer solchen Ver-wirklichung des von allen geforderten Gedanken entgegenstehen.(Sehr richtig!)

Und nun, meine Herren, muss ich gestehen, ich bin auchheute in dieser Beziehung so wenig zufrieden gestellt worden,als durch das, was wir vorher erlebt haben. Ja, ganz eigen-tümlich war überhaupt der Gang, den der Entwurf des Gesetzesin den wichtigsten, hervorragenden Punkten von vornhereingenommen hat. Ich stehe nicht an, zu sagen: meiner Empfindungnach verriet der Geschäftsgang selbst eine sehr starke Be-fangenheit von Seiten derer, welche uns die Reichsbank heuteschon zu bringen nicht für angezeigt halten. Es sind uns jadie ersten Vorschläge des Reichskanzleramts an den engerenAusschuss des Bundesrates durch die Zeitungen zur Kenntnisgekommen. Meine Herren, heute hören wir aus dem Mundedes verehrten Herrn Präsidenten des Reichskanzleramts denGedanken der Reichsbank als einen ganz rationellen anerkennen;in jenem Gesetzentwurf aber, wenn ich mich nicht irre, warnicht bloss nicht in den Dispositionen der Artikel, sondernauch in den Motiven von einer Reichsbank absolut gar nichtdie Rede; es war gerade so, als hätte in Deutschland überhauptniemals jemand den Gedanken einer Reichsbank gehegt undwäre es also auch durchaus nicht nötig, diesem Gedanken eineAufmerksamkeit zu schenken. Sie werden mir gestehen, dass,wer auch nur drei Jahre hier im Reichstage den Verhandlungengefolgt ist, wer einigermassen Kenntnis von der Bewegung inden Fachblättern und der öffentlichen Meinung hatte, schon