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Meine Herren, der Herr Präsident des Reichskanzleramtshat es vorhin für angezeigt gehalten, im Eingange zu verweilenbei der Darlegung der Aufgabe, die unserer noch wartet bei Durch-führung der Münzreform; Sie werden mir daher vergönnen, um-somehr als wir uns neulich, bei den Verhandlungen über dieEinführung der Währung in Elsass-Lothringen, ein Stelldicheingegeben haben, den damals nur kurz und ungenügend be-rührten Gegenstand, der die öffentliche Meinung so lebhaft be-schäftigt, etwas näher ins Auge zu fassen. Ich glaube, ichdarf es mir leicht machen, die Zweifel, die damals von demgeehrten Abgeordneten von Minnigerode vorgebracht sind, zubeseitigen. Ich würde es mir heute gänzlich erlassen, den Ge-danken nochmals abzuweisen, dass wir durch die Verhältnis-stellung zwischen Silber und Gold in unserer Münzwährung jetztunsere Goldwährung in Gefahr gebracht hätten — ich sage, ichwürde es mir ganz versagen, diesen Gedanken nochmals abzu-weisen, wenn ich nicht auch in dem Ausspruch des verehrten HerrnFinanzministers von Preussen bei dieser Gelegenheit etwas hättewahrnehmen zu müssen geglaubt, das wie eine entfernte Billigungder Anschauung des verehrten Abgeordneten von Minnigerodeaussah. Ich weiss nicht, ob ich mich darin täusche, ich habeaber absichtlich, weil mich der Ausspruch beunruhigte, die Rededes Ministers Camphausen nochmals nachgelesen und habedarin die förmliche Erklärung vermisst, dass das Verhältnis,wie wir Silber und Gold damals festgesetzt haben, absolutnichts mit den Bedrängnissen zu thun hat, wie sie heute vielleichtals Gefahr für unsere Münzreform hingestellt werden. Hat eres so gemeint, so ist es mir um so lieber; jedenfalls aber, da dergeehrte Herr Abgeordnete von Minnigerode — nicht sowohl,wie ich annehme, weil er selbst das dachte, sondern weil erglaubte, einem Teil der öffentlichen Meinung gerecht werdenzu müssen — diesen Zweifel aussprach, ob wir nicht dochdarin etwas verschuldet hätten, möge er mir doch nochmalserlauben, wie schon der Geheime Regierungsrat Michaelis ge-than hat, und hoffentlich zum letzten Male, zu versichern, dassdieses Verhältnis zu Gunsten oder zu Schaden des Silbermetallsganz bedeutungslos geworden ist von dem Augenblick an, alsweder Private noch der Staat im Stande waren, neue Silber-kurantmünze zu prägen. Meine Herren, wenn wir heute jemandem
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