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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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weil ich damals zu Gunsten eines niedrigen Prägelohnes fürPrivatausprägung sprach und gegen den Schrecken, den dieAuseinandersetzung des Herrn Bundesvertreters hervorgerufen,welcher vor dieser Privatprägung etwas Furcht verbreiten zumüssen glaubte, weil sie Gegenstand von grosser Spekulationsein könne. Ich sagte, es begnüge sich dieses Geschäft miteinem ausserordentlich geringen Nutzen. Und nun, meineHerren, wie stehen die Dinge? Sie stehen so, dass wir geradean der Schwelle der Austrittsfähigkeit unseres Goldes uns be-finden; kleine Schwankungen erlauben bereits, dasselbe nachFrankreich zu exportieren, wir sind aber für England noch dies-seits der Grenze, und zwar nicht unwesentlich diesseits derGrenze; denn es ist eine eigentümliche Erscheinung diesesganzen Getriebes, dass nicht wir allein in der Lage sind, Goldnach Frankreich schicken zu müssen, dass es also auch nichtmit unseren speziellen Zuständen in Zusammenhang steht, sondernFrankreich ist in der Lage, von der ganzen Welt, noch mehrVon England als von uns, Gold zu beziehen. Beispielsweise istdie. englische Valuta in Frankreich jetzt auf einem unerhörtniedrigen Standpunkt, auf dem ich sie, glaube ich, in den letztenzwanzig Jahren nicht gekannt habe eine gewiss höchstwunderbare Erscheinung nach den Schicksalen, die dieses Landdurchgemacht hat. Genau wie heute die Preise ausweisen,nämlich, dass man z. B. für 300 Franken, in Brüssel zahlbar,heute in Berlin 81 1 / 2 Thaler bezahlt, ist es möglich, Gold nachBelgien auszuführen mit einem geringen Gewinn. Wenn manhier Zwanzigmarkstücke aufrafft und sie nach Belgien schickt,so kommen sie inklusive aller Nebenkosten, mit Zinsverlust undTransport 81,40 zu stehen, während man hier einen Wechselzu 300 Franken auf Belgien verkaufen kann zu 81,50. Fürdieses ein Achtel Prozent arbeitet der Goldhändler, meine Herren,und ich erwähne nicht ungern gerade das Beispiel von Belgien, weil es ein besonderes Licht auf den ganzen Gang der Dingewirft. Wenn Sie sich erinnern an das, was der geehrte HerrGeheimrat Michaelis bei den Verhandlungen von Elsass-Lothringengesagt hat, so hat er Ihnen die Ziffern von Frankreich undEngland angegeben, aber, wenn ich mich nicht irre, hinzugesetzt,dass er die von Belgien nicht fixieren könne. Nun ist aberdas Eigentümliche, dass der Export des Goldes vorzugsweise