— 309 —
höht; hätten wir die Doppelwährung eingeführt, so wäre dieGefahr noch viel stärker; denn die Doppelwährung würde demSilber Prägungswert geben, und dann würde erst die Möglich-keit gegeben sein, die in den Befürchtungen des Herrn vonMinnigerode und der durch ihn vertretenen Personen liegt. Zubedauern haben wir an dem, was geschehen ist, durchaus nichts,— ich kann das nicht fest genug betonen und benachdrucken.
Nun, meine Herren, tritt eine andere Frage heran: ist esdenn wahr, haben wir eine bedeutende Goldausfuhr zu erleidengehabt, stehen wir unter der Gefahr, dass dieselbe in Zukunftnoch Platz greift? Die Frage ist von solcher Bedeutung, dass,obgleich bereits der Herr Minister Camphausen und vorhin derHerr Präsident des Reichskanzleramts sie berücksichtigt haben,ich dennoch glaube, dass es dem Reichstage nicht unwillkommensein wird, wenn ich zu ihrer Beleuchtung etwas beizutragensuche. Die Herren haben uns statistische Mitteilungen gemachtund auf Grund derselben uns versichern zu können geglaubt,dass die Ausfuhr an Gold noch eine geringe sei. Meine Herren,in diesen Dingen sind Ziffern noch unzuverlässiger, als sie essonst zu sein pflegen. Ich halte die Statistik auch in Ehren;aber wenn ihre Ziffern überhaupt nicht immer unanzweifelbarsind, so giebt es kaum einen Punkt, der schwerer zu kontrolierenwäre, als die Bewegung der edlen Metalle, besonders in Formvon geprägten Münzen, weil schon der Handel durch sein Inter-esse sehr oft angereizt wird, seine Operationen in denselbenzu verkleiden. Es ist beispielsweise gar nicht selten, dass, umPorto zu ersparen, Goldsendungen als Silber deklariert verschicktwerden, Gold in Silber maskiert: der Metallhandel hat sogareinen technischen Ausdruck für dieses Verfahren. Darum, meineHerren, glaube ich, bei so bewandter Lage giebt es nur einMittel, sich zu überzeugen von dem eigentlichen Stand derDinge: man muss die Feder nehmen und muss rechnen, ergiebtsich ein Nutzen, so können Sie sicher sein, es finden sich auchdie Leute, die diesem Gewinne nachgehen. Das ist der einzigesichere Massstab, meine Herren, und wie ich bei früheren Ge-legenheiten, leider nicht mit genügendem Erfolg, zu sagen dieEhre hatte: dieses Geschäft wird mit so geringem Gewinn be-trieben, dass auch die leiseste Schwankung genügt, um sofortdie betreffende Thätigkeit ins Spiel zu setzen. Ich sage, leider,