ihnen vorgeht, wie die sich beruhigen können, einen Gesetz-entwurf auszuarbeiten, der als Automat sichern soll, dass allesin Zukunft richtig gehen solle, auch in den schweren Zeiten, indenen die definitive Durchführung der Münzreform vor sichgehen wird, ohne sich irgendwie zu versichern, dass bei Eintrittirgend eines Rechenfehlers, bei Konstatierung der Thatsache,dass sie in irgend einem Punkte geirrt haben, eine Hand dasei, die diesen Fehler wieder gut macht. Kein Gebiet derWelt, meine Herren, giebt es, auf dem so wenig die Bewegungender Dinge berechenbar sind, als diejenigen, welche sich auf dieFluktuation der Umlaufsmittel beziehen. Ich möchte, ohnemich einer Uebertreibung schuldig zu machen, behaupten, eslässt sich noch eher das Wetter prophezeien, es lässt sich nocheher aus dem Gange des Windes und der Wolken voraussagen,wie in 3 Monaten sich die Temperatur gestalten wird, als vor-aussehen, wie die Bewegung in den Cirkulationsmitteln sichgestalten möge; und zum Beweise dessen, meine Herren, braucheich nur an das Phänomen zu appellieren, das ich Ihnen ebenvorgeführt habe; wer hätte geglaubt, dass seit den ein bis zweiJahren nach der Abzahlung der Milliarden Frankreich im ständesein würde, das Land zu sein, welches die anderen Länder mitder Reduzierung ihrer Münzvorräte bedroht ? Niemand, auch dieklügsten Bankiers und die klügsten Rechner nicht, hat auf diesemWege zu spekulieren gewagt. Und nun sollen wir bei diesemvielverschlungenen, unkontrolierbaren Phänomen uns heute be-gnügen, unsere schwierige Münzreform ins Werk zu setzen, ge-stützt auf ein Gesetz, welches ganz auf der Annahme beruht,dass das kalkulatorische Exempel, welches der Bundesrat hieraufgezeichnet hat, bei jedem Punkte genau stimmen werde inalle Ewigkeit, oder wenigstens auf 10 Jahre hinaus, was fürdie Möglichkeit eines Ruins schon eine Ewigkeit ist. Nein,meine Herren, ich erkenne die negative Seite, die Seite dernegativen Vorsicht, in der Beschränkung, welche der Entwurfbezweckt, vollkommen an, ich acceptiere vollkommen die Kritik,welche der geehrte Herr Präsident des Reichskanzleramtsund die Motive gegen die Missbräuche des Bankwesens undüber die Notwendigkeit der Beschränkung aussprechen; aber,dass mit dieser Beschränkung alles gethan sei, dass wir nichtden Fall vorhersehen müssen, wir haben uns dabei verrechnet,
Bamberger, Reden u. Aufsätze. 21