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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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beleben, er will ihr Leben entgegen dem, was wir früher er-warteten, verlängern und bis zum Jahre 1886 ausdehnen. Alleinwenn dieser Termin mit dem Jahre 1886 kommt und er seinenSchatten lange vorher wirft, so wird natürlich eine vollständigeVeränderung in dem Gebahren dieser einzelnen Banken ein-treten, und sie werden immer mehr auf sich selbst sich zurück-zuziehen genötigt sein, sie werden vollständig liquidieren müssen,und ich frage, wer wird dann diese Dienste übernehmen, wennwir nicht ein Institut dafür hinsetzen, welches den Anforderungeneines grossen Verkehrs entspricht, wie wir ihn bei Gründungunseres Münzsystems und bei der gegenwärtigen Bankreformins Auge gefasst haben?

Es giebt nur zwei Dinge, entweder muss man Bankfreiheitgeben und sich darauf verlassen, dass jeder das Richtige thunwird, oder man muss das beste Mittel wählen, um Unrichtigeszu verhüten. Dieses Unrichtige zu verhüten und ihm zu wehrendurch Normativbestimmungen, ist immer nur ein Notbehelf;Normativbestimmungen, das wissen Sie aus jedem Gesetze,welches wir beraten, schwanken immer zwischen der Gefahrdes Zuviel oder Zuwenig. Wollen Sie einen Zweck des Ge-meinwohls in der Art sichern, dass Sie die Freiheit des In-dividuums bestehen lassen, ihr aber Schranken für die Verkehrs-gebahrung setzen, so werden Sie immer in der Gefahr sein,entweder die Thätigkeit allzusehr zu binden, oder in der Gefahr,Lücken zu lassen, durch welche nachteilige und schlechte Dingeentschlüpfen können. Wo Normativbestimmungen entbehrtwerden können, wie bei der Bankgesetzgebung, da ist es un-endlich vorzuziehen, die massgebende Kraft unter den Augender Gesetzgebung und der Gesamtheit zu lassen. Das hat dazugeführt, dass allen grossen Nationen in Europa zu dem Systemder einen massgebenden Bank sich bekehrt haben und dass inallen parlamentarischen Verhandlungen dieser Nationen dieserGedanke siegreich durchgedrungen ist.

Und nun wird immer die Frage wiederholt: ja, Reichsbankist schon recht, wir wollen sie gern machen, wenn wir nurwüssten, wie sie beschaffen sein soll. Meine Herren, ich glaube,dass ich prozessualisch diesen Einwurf am vollständigsten ab-weisen kann. Wenn die Frage entsteht, ob Reichsbank oder

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