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Münze, deswegen auch für gleiche Banknoten, die ein Äquivalentfür die Münze sind, herzustellen, der Entwurf nicht bloss dieRegierungen und die einzelnen Landesgruppen und jedes Parti-kularinteresse aufgefordert und gewissermassen gezwungen hat,sich in ihre vier Pfähle einzupferchen, sondern dass er auch jedeSonderbildung befestigen und die Privilegien ausdehnen soll,wie er es mit Bayern im Sinne hat. Hier ist merkwürdiger-weise, während wir auf der einen Seite stets den Gedankenhaben, die preussische Bank zu einer Reichsbank auszubilden,Bayern , nachdem wir drei Jahre lang verhindert haben, neueNoten emanieren zu lassen, ein neues Notenprivilegium in denSchoss geworfen, — hier ist es aufgefordert, eine neue Bankzu gründen und einzurichten, sie so zu befestigen und zu ent-wickeln, dass, wenn wir nach zehn Jahren mit dem gemeinsamenGedanken an ein wohleingerichtetes Centraiinstitut erscheinen,wir tief eingewurzelten und fest krystallisierten Verhältnissengegenüberstehen, aus deren Bestand man uns die Argumenteentgegenhalten würde, dass man den besonderen Interessen nichtmehr entgegentreten könnte. Das scheint mir die schwächsteSeite des Gesetzes zu sein; das bereitet ein bellum omniumcontra omnes vor, der Art, dass jedes deutsche Land einzelndastehen wird, mit den einzelnen Instituten und gestützt aufRegierungen, welche sich für verpflichtet halten werden, dieeinzelnen Institute zu schützen. Wir haben bereits ein Vorspielgehabt von dem, was zu erwarten ist, in den Verhandlungenüber die Normalsumme, welche an ungedeckten Noten in deneinzelnen Ländern respektive Banken gestattet werden soll; wirhaben die Abänderungen gesehen, welche nicht ohne Zusammen-hang waren mit dem Wunsche, diese oder jene Regierung ab-zufinden, damit sie dem Regierungsentwurfe beistimmte. Wirwerden, wenn wir diesen Gesetzentwurf durchführen, mit jedemTag, den das Gesetz besteht, einen Apell an den centrifugalenPartikularismus der einzelnen Staaten im Verkehr von neuemhervorrufen.
Ich freue mich, dass wir heute die Ehre haben, den HerrnReichskanzler in Person dieser Debatte beiwohnen zu sehen;er hat uns nicht immer bei Verhandlungen dieser Art mit seinerGegenwart beehrt, und ich weiss, dass wir es in der rühmlichenWeise auszulegen haben, dass er aus Bescheidenheit zu erkennen