Die Entthronung eines Weltherrschers.*)
Im Schosse der Reichstagskommission, welcher die neuedeutsche Konkursordnung vorlag, gab ein im Entwurf gebrauchtesWort Anlass zu einem Bedenken eigentümlicher Art. Bei demAbschnitte nämlich, der die Veräusserung von Hab und Gutdes Gemeinschuldners regelt, warf ein Mitglied die Frage auf:ob es denn fernerhin auch gerechtfertigt wäre, dass man sichdes im Gesetze gebrauchten Ausdrucks „versilbern", im Sinnevon zu Gelde machen bediene? Der Redner berief sich darauf,dass nach der deutschen Reichsmünzordnung aus Silber nichtmehr vollbürtiges Geld, sondern nur ein untergeordnetes Aus-gleichsmittel gemacht werde, und dass man, um mit dem Bildenicht hinter der Wahrheit zurückzubleiben, nunmehr auch inder Sprache vom „Versilbern" zum „Vergolden" übergehenmüsse. Dem sachlichen Inhalte nach war die Bemerkung ganzgewiss berechtigt. Soweit dagegen es sich um die blosse Formhandelte, lag die Erwiderung nahe, dass gar viele Wörter überihren ersten sprachlichen Sinn im Laufe der Zeit hinausgegangensind, ohne dass der stehen gebliebene ursprüngliche Laut Anstoss oder Irrtum bereitete. Vielmehr gleitet im täglichen Gebrauch der buchstäbliche Sinn des Ausdrucks so leicht undunbeachtet am Ohr vorüber, dass erst nach absichtlich erregterAufmerksamkeit der Gedanke längs des Weges zurückgeführt
*) Aus der „Deutschen Rundschau", III. Jahrgang, Heft 2, 1876.