Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

34i

wird, welcher zwischen dem Ursprung des gebrauchten Bildesund seiner dermaligen Verwendung liegt. Solche Sinnver-schiebungen bezeichnen den Gang menschlicher Entwicklungauf den mannigfaltigsten Gebieten. Schwerlich dachten dieRömer der Kaiserzeit bei dem Worte aestimare noch daran,dass es von hause aus bedeutete: den Wert eines Gegenstandesin seinem Gewicht an Erz oder Kupfer abschätzen, und siewendeten es ruhig auch auf jede Veranschlagung in Gold oderSilber, ja, von da weiter gehend bloss figürlich an. Vielleicht,dass nach Jahrhunderten beim Wortversilbern" einem Sprach-oder Geschichtsforscher der Verdacht auftauchen wird, es heissedasselbe darum so viel wie verwerten, weil in alten Zeiten dassilberne Geld die Grundlage des Tauschverkehrs gebildet habe.Aber der Rückblick auf jenen altrömischen Sprachgebrauch er-weckt in uns eine Gedankenreihe nicht mehr bloss etymo-logischer Natur. Es kann also, sagen wir uns, ein Metall bis

O > O '

zu dem Grade die Verkörperung des allgemeinen Tauschwertesgeworden sein, dass die menschliche Vorstellung in Gestalt derSprache dasselbe schlechthin als den endgültigen Wertmesserbehandelt; wie urgent im Französischen nicht nur Silber sondernauch Geld bedeutet; und es kann dennoch ein solches Metall durchdie historische Entwicklung aus seinem hohen Berufe verdrängtund zum Material für den allgemeinen Wirtschaftsdienst degra-diert werden. Was uns die Sprache in Ausdrücken wie aesti-mare, aes alienum, per aes et libram und zahlreichen Formendesselben Stammes bezeugt, das bestätigt nicht minder dieGeschichtsforschung. Bis zur Periode der punischen Kriegewaren Kupfer und Bronze das ausschliessliche Münzmetall derRömer , und erst von jenem Zeitabschnitt datiert der Gebrauchdes aus Asien, Afrika und Griechenland herüber mehr und mehran Stelle des Erzes vorgedrungenen Silbers. Und wohlbemerkt,Kupfer und Erz lieferten während jener älteren Periode nichtetwa den Rohstoff zu Tauschzeichen bloss konventioneller Natur,wie jene oft erwähnten Muscheln ( Cauries ) einiger Inselbewohnerder indischen Meere; sondern sie bildeten eine wirkliche Valuta,eine Münze, deren Geltung ihrem metallischen Gehalt und Ge-wichte entliehen war. In der älteren Zeit und bei grösserenZahlungen wurden Kupfer und Erz so ausgewogen, wie dasSilber noch heute (sog. Saisie oder Syce-see Silber) bei den