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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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das Verhältnis von 15 1 /2 zu 1 getreten war.*) Und ange-nommen auch, dieses stetige Fortrücken wäre nur das Resultateines in stärkerem Masse anwachsenden Silbervorrats, so würdedas den Satz nicht umstossen, dass die Abweichung mit der-selben Tendenz zuzunehmen bestimmt ist; denn die wirkendeUrsache, das Anwachsen, ist durch eine vieltausendjährige Er-fahrung zugleich als eine bleibende bestätigt. Aber die Er-scheinungen der Neuzeit haben uns gezeigt, dass es nicht dasMass der Vorräte ist, welches in diesem GegenseitigkeitsVer-hältnis den Ausschlag giebt. Während wir nämlich heute er-leben, dass eine verstärkte Silberzufuhr den Marktpreis diesesMetalls um viele Prozente nach abwärts treibt, hat sich vordreissig Jahren die massenhafte Ausbeute der kalifornischen undaustralischen Goldfelder über die Welt ergossen, ohne nennens-werte Veränderungen in dem Preise des Goldes nach sich zuziehen. Man hat berechnet, dass in den ersten vier Jahrennach jener Entdeckung die jährliche Goldproduktion um dasvierfache stärker war als in der entsprechenden vorhergehendenPeriode. Trotzdem wich in derselben Zeit der Goldpreis, amSilber gemessen, kaum um zwei Prozent. Vergleichen wir damitdie Ursachen und Wirkungen der heutigen Umwälzung! Dieenglische Parlamentskommission hat aufs sorgfältigste zusammen-gestellt, auf wie hoch das Mehrangebot von Silber in den Jahren1871 bis 1875 veranschlagt werden müsse. Sie hat dabei nichtnur die Ausbeute der neu entdeckten amerikanischen Bergwerke,sondern auch die von Deutschland, Holland und Skandinavien abgestossenen Vorräte und endlich den Minderverbrauch desindischen Reiches mit in Rechnung gebracht. Das Ganze er-gab auf die vier Jahre einen Gesamtbetrag von beiläufig 74Millionen Pfund Sterling. Verglichen zu der Silbergewinnungder vier vorausgegangenen Jahre erweist sich dieses Mehr alseine Verdoppelung. Nun aber die Wirkungen! Während dieVervierfachung beim Golde dieses nur vorübergehend um nichtzwei Prozent hinabdrückte, hat hier die Verdoppelung beimSilber einen Sturz bis zu zehn Prozent herbeigeführt, auf welchen

*) Michel Chevalier meint, dass das Gesamtergebnis der amerikanischenMetallzuflüsse früherer Jahrhunderte die Getreidepreise verteuert habe in Silberum das sechsfache, in Gold um das vierfache (in seinem älteren Werke ,, Lamonnaie").