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in den darauf folgenden Monaten ein neuer Sturz um abermalszehn Prozent folgen sollte. Und wohlbemerkt: es lässt sichgar nicht behaupten, dass moralische Einflüsse in dem einenFalle stärker aufgetreten wären, als im anderen. Die Sensation,welche ihrer Zeit die fabelhaft klingende Kunde aus Kalifornien und Australien über die Welt verbreitete, war mehr geeignet,eine starke Wirkung auf die Einbildungskraft der Menschen aus-zuüben, als die seit lange im Anzüge begriffene Idee von derAbschaffung des deutschen Silber-Kurants.
Es ergiebt sich aus allen diesen Beobachtungen, dass jedeVermehrung des Goldvorrats willig vom Verbrauch aufgenommenwird, weil derselbe mit steigender Zivilisation einen zunehmen-den Bedarf nach diesem Material empfindet; dass umgekehrtjeder Zuwachs von Silber dem Markte eine Verlegenheit be-reitet, weil bei dem abnehmenden Bedürfnis die Verwendungimmer schwerer wird.
Wie überall, wo aus einer Mehrheit thatsächlicher Er-scheinungen ein Schluss auf den zukünftigen Gang der Dingegemacht werden soll, kommt es zunächst darauf an, diese Er-scheinungen ihrer Natur nach zu scheiden, namentlich die zu-fälligen und bloss begleitenden von den in dem Grund derbetreffenden Verhältnisse selbst wurzelnden loszulösen. Esbraucht ja nicht erst besonders nachgewiesen zu werden, wieschwierig auf diesem Gebiet die Arbeit der Beobachtung, wievielfach zusammengesetzt und dunkel die Massen und Bewegungensind, um die es sich handelt. Genügt es doch, daran zu er-innern, dass allen Anstrengungen der Wissenschaft zum Trotzkein Land mit Gewissheit feststellen kann, wieviel geprägtenGeldes und wieviel von jeder Art Metall es in seinen Grenzenbirgt. Noch heute, nachdem wir in Deutschland seit fünf Jahrenunsere eigenen Geldzustände unausgesetzt und eifrig zum Gegen-stand der Prüfung und Verbesserung gemacht haben, noch heutestreiten sich hartnäckig- zwei Ansichten über die Frage, wie
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gross oder klein die Summe der umlaufenden, beziehungsweiseabzustossenden Silbermünzen sei. Und alles, was man an ähn-lichen Ziffern aus anderen Ländern bringt, erhebt sich nichtüber das Mass einer wohldurchdachten Vermutung. Gehenwir aber gar an das Problem, mitten in der ewigen Bewegungaller Dinge Wertveränderungen rückwärts liegender Zeiten zu