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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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bestimmen, so erfahren wir, dass alles, was scheinbar einenfesten Massstab abgeben könnte, kaum minder in sich selbstschwankt, als dasjenige, was an ihm gemessen werden soll.Bei Geld und' Geldeswert haben wir es mit einem stets imFluss befindlichen Stoffe zu thun, der zugleich die Neigung be-sitzt, sich zu verstecken, wie denn seiner ganzen Natur etwasGeheimnisvolles innewohnt.

Fehlt es auch nicht an allerhand Gründen, aus denen derVerstand hinterher erklären kann, weshalb gerade die zwei be-stimmten Metalle seit Jahrtausenden die Welt beherrschen, sobleibt doch noch etwas Rätselhaftes in dieser durch alle Wand-lung der Völkergenerationen und Civilisationsformen hindurchden Sinn der Menschen fesselnden, toten Substanz. Alles, wasangeführt wird, um das Tiefbegründete des merkwürdigen Zu-sammenhanges zwischen den Bedürfnissen einer entwickeltenGesellschaft und der Herrschaft jener Metalle durch den Nach-weis von Ausnahmen zu entkräften, ist so untergeordneter Art,dass es nur die Regel bestätigt. Wenn uns das Muschelgeldeiniger wilden Völkerschaften, die hie und da im Altertum er-wähnten Stein- oder Glasmünzen entgegengehalten werden, sobedeutet das für das grosse Kulturgesetz ebenso wenig, alswenn zur Anfechtung der allgemeinen, aus der inneren Menschen-natur erwachsenen Sitten und Gesetze gewisse Philosophenuns Thatsachen beibringen, wie die, dass bei irgend einerafrikanischen Horde es Gebrauch ist, die Eltern von den Kinderntotschlagen zu lassen, oder dass anderwärts, wenn die Fraugeboren .hat, der Mann sich ins Bett legt und Wöchnerbesucheempfängt. Dergleichen launenhafte Gebilde an der Peripherieder menschlichen Entwicklung haben nicht das geringste Recht,uns irre zu machen an deren wesenhaftem Gestaltungstrieb.

Will man sich Rechenschaft geben von der eigentümlichenNatur des Gegenstandes, so muss man doch vor allem fragen:was ist es, das den Edelmetallen die schrankenlos anerkannteGewalt über den Sinn der Menschen verschaffte? Die nächst-liegende Erklärung wäre die der grössten und allgemeinstenGebrauchsnotwendigkeit, zum mindesten: Nützlichkeit. Hieranschliesst sich von selbst die Erwägung, dass nicht Nützlichkeitallein das Massgebende sein konnte, sondern nur das Nützlichean eine Form gebunden, welche durch Unzerstörbarkeit, Erkenn-