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barkeit und Bewegbarkeit dem besonderen Zweck sich anpasste;auch musste dieses nützliche erkenn-, beweg- und unzerstörbareWesen selten genug vorkommen, um nicht der Gefahr ausgesetztzu sein, dass es in Wertlosigkeit verfalle. Bleiben wir bei dergeschichtlichen Thatsache des aus Erz oder Kupfer gefertigtenGeldes stehen, so decken sich hier noch alle soeben zusammen-gehaltenen Bedingungen. Aber um so merkwürdiger erscheintdann der Sprung von diesem Metall zum Silber und Gold. Soweit wir die Geschichte der Verwendung dieser zwei Metallezu Geld kennen, kennen wir auch die Geschichte der Sittenund Lebensweise der Völker, welche ihnen diese Bestimmunggaben. Und nirgends finden wir sie so wie die anderen Metalleverwendet aus blosser Rücksicht auf ihre stoffliche Brauchbar-keit als Werkzeuge der Wirtschaft. Uberall vielmehr, wo wirihnen begegnen, erscheinen sie als Attribute der Macht undder Üppigkeit. Wir finden also hier von vornherein den Sitzder Wertschätzung in der menschlichen Phantasie. Selbst dieEingeborenen Amerikas , welche nach den Berichten der erstenEroberer vergleichsweise geringen Wert auf Silber und Gold l
legten, erstaunt waren über die von den Fremden damit ge-triebene Abgötterei und willig ihre Schätze teils als Lösegeld,teils im Austausch gegen andere Gegenstände anboten, selbstdiese befanden sich bei ihrer ersten Berührung mit den spanischenAbenteurern doch wesentlich auf dem europäischen Standpunkte:sie behandelten die beiden Metalle als etwas Edles, verwendetensie entwender als Schmuck oder häuften sie als Schätze desLandesherrn an. Die Kaziken Mexikos hatten einen goldenenKopfschmuck, in welchem die Konquistadoren natürlich, undvielleicht mit Recht, eine Krone sahen. Die grösseren Vorrätean Gold waren im Besitze der Kaziken, denen das Metall vonden Unterthanen abgeliefert wurde. Ebenso fanden später dieEroberer Perus die Inkas als die Herren der Silberschätze; fürsie wurden die Bergwerke betrieben. Handle es sich nun umAsien, um Ägypten oder um Phönizien, den Tempelbau Salomonisoder die Schicksale des Krösus: allüberall tritt uns Silber undGold entgegen als ein Stoff, der, je höher gepriesen, desto aus-schliesslicher nur von den Mächtigen als Schatz angehäuft odervon den Reichen und Wohlhabenden zu Zierrat, zu Kleinoden,kurz zur blossen Verschönerung des Lebens verwendet wird.