dünne Eisen ersetzt den schweren Stein und den dicken Balken ;überall macht die Kraft der Maschine den übermässigen Auf-wand der Muskeln entbehrlich. Was der Mensch auf dem Leibeträgt, ist an Gewicht mindestens um die Hälfte vermindertgegen die früheren Jahrhunderte: das Taschenmesser wie dieTaschenuhr, das Tuch des Rocks wie das Leder der Fuss-bekleidung. Wohl führt in manchem Städtlein der ehrsameMeister, wenn er abends zur Stammkneipe wandert, noch denpfündigen Hausschlüssel im Sack, der ihm, wenn Not an Manngeht, auch zu Schutz und Trutz dienen kann; aber in denmodischen Taschen ist kein Platz mehr für solches Instrument,und die lebenskundigen Engländer haben dasselbe schon voreinem Menschenalter auf die Verhältnisse eines grossen Uhr-schlüssels zurückgeführt. Man vergleiche auch z. B. noch einenRegenschirm oder eine Brieftasche von vor fünfzig Jahren mitihren heutigen Nachkommen.
Eine ähnliche Bewandtnis hat es offenbar mit dem Vor-zug, welchen die Neuzeit der Goldmünze vor der Silbermünzegiebt. Der Antrieb hierzu wächst mit dem Fortschritt derKultur um so stärker, als die Preise der Arbeit und der Nah-rungsmittel regelmässig steigen. Abgesehen von einzelnenseltenen Epochen der Weltgeschichte, in denen unter der Ein-wirkung besondere Ereignisse ein Rückgang oder Stillstand zubeobachten ist, ergeben die vergleichenden Preistabellen regel-mässig, dass jede spätere Periode mehr Metall für dasselbeQuantum Arbeit oder Getreide gegeben hat als die vorher-gehende. Während aber die Steigerung der Preise sich mitdem wachsenden Bedürfnis nach bequemeren, leichteren Uten-silien begegnet, greift noch ein Drittes im gleichen Sinne wirkend
Diese Richtung trägt offenbar das Gepräge einer rückläufigen Entwicklung.Während der Landkrieg seinen mörderischen Instrumenten selbst immer mehrGelenkigkeit und Schliff giebt, ist die Seewehr zu den Schiffsschnäbeln, Balistenund Widdern des grauen Altertums, zu den ungeheuerlichen Kanonen derSultane zurückgekehrt. Ein so plump extensives Bestreben verrät im Gegensatzzu einem auf die intensive Vervollkommnung gerichteten schon darin seineInferiorität, dass es alsbald seine räumliche Grenze finden muss, während jedeauf innere Verfeinerung gerichtete Bewegung ihrer Natur nach unbegrenzt ist.Die armselige Rolle, welche die grossen Marinen in den neuesten Kriegen ge-spielt haben, giebt ein unverkennbares Zeugnis von der Verkehrtheit einerRichtung, die mit dem ganzen Zug der modernen Welt kontrastiert.
Bamberger, Reden u. Aufsätze. 23