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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Frist eines einzigen Jahres ein Verhältnis voraus zu bestimmen,mit der noch so entfernten Aussicht dadurch im Einklang mitdem thatsächlichen Gang der Dinge zu bleiben? Im Zeitraumvon drei Jahren haben wir den Preis des Silbers von 60 auf47 heruntergehen sehen, dann wieder bis 54 emporschnellen,um bald darauf wieder zu 51 herabzukommen. Nicht blos dieProduktion des Metalles und der Gang des Welthandels, son-dern die Gesetzgebungsarbeiten selbst wirken mit an diesemunaufhörlichen Wechselgang, und jeder Antrag im Kongress zuWashington, oder in der Kammer zu Versailles könnte allesaus den Fugen bringen, was menschliche Weisheit abgezirkelthätte.

Enthält die vorausgegangene Darstellung der Hergänge auffranzösischem Boden auch in sich eine Kritik der betreffendenMünzpolitik, so ist diese Kritik doch für die hier verfolgte Ab-sicht ein schlechthin zufälliges Nebenprodukt. Mit Lob oderTadel in diesen Dingen uns über die Grenzen des eigenenStaatsgebietes hinaus zu begeben, liegt gar kein Anlass vor.Vom deutschen Standpunkt aus ist die Zauderpolitik der fran-zösischen Finanzleitung sogar nur als ein grosser Vorteil zubetrachten, und je länger sie anhält, desto besser für uns.Schade nur, dass auch in der Reichsfinanzleitung jenes beseligteRuhegefühl waltete, welches allen Mahnungen zum Benützender kostbaren Augenblicke ein:nur nicht drängeln!" (wie manin Berlin sagen würde) entgegenhielt. Schon vor drei Jahrenwurde auf das, was jetzt eingetreten ist, vorbereitet, schon da-mals nachgewiesen, dass Frankreich früher oder später aus seinemWinterschlaf erwachen und dem Silber seinen Markt verschliessenmüsse, dass es gelte, die möglicherweise kurze Frist zu benützen;auch bei uns wollte man dem unaufhaltsamen Zug der Dingekeinen ganzen Glauben schenken, und um das eigene Sicherheits-gefühl zu erhöhen, redete man sich ein, wir hätten gar keinSilber zu entbehren, eine Behauptung, welche, so oft sie auchvorgebracht worden, heute wahrscheinlich von ihren eifrigstenVertretern schon preisgegeben ist. Wie übrigens jedes Unglückzu etwas gut ist, so hat die auf unserer Seite bewiesene Saum-seligkeit den Vorteil, dass man an dem ungeheuren Preisnieder-gang, den das Silber erfahren, der deutschen Münzpolitik nichtdie Schuld zuschieben kann. Hätten wir statt der lumpigen