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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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es heute wert ist) hinaufgeht? Nur drei Möglichkeiten liegensodann vor:

1. In dem geschaffenen Zwischenstadium zu verharren undkein Silber weiter zur Münze zuzulassen. Damit kann das Landein halbwegs erträgliches Dasein nur führen, so lange derZwangskurs der französischen Banknoten besteht. Von demAugenblick an, wo die Bank wieder verpflichtet wird, ihre Notenin bar einzulösen, wird dieselbe entweder nur Silber geben,und dann wird sofort das Gold mit Prämie im Verkehr be-zahlt werden; oder die Bank giebt ihr Gold her, dann wirdman ihr alles im Lande befindliche Silber bringen und dasUnterpfand ihrer Noten in einen um 10 bis 20 Prozent ent-werteten Barschatz verwandeln. In beiden Fällen ist die Lageeine unhaltbare. Dauern kann sie nur höchstens, so lange derabnorme Zustand des Papier -Zwangskurses herrscht.

2. Soll diesen Verlegenheiten ein Ende gemacht werden,so muss man die gleichberechtigte Silberwährung definitiv be-seitigen. Ob das geschehen kann, ohne einen Teil des im Ver-kehr befindlichen Silbers einzuziehen, ist sehr zu bezweifeln,selbst wenn man das Maximum der Zahlung in Teilungsmünzenauf hundert Franken erhöht.

3. Ein dritter Ausweg bestände darin, das Silber wie bis-her als zweites gleichberechtigtes Glied der Doppelwährung zuerhalten und nur die Verhältniszahl des Gesetzes vom Jahre 1803durch eine andere zu ersetzen, beispielsweise durch die von 1zu 17 1 I, statt 1 zu 15 1 / 2 . Aber es bedarf nur geringen Ver-ständnisses, um zu erkennen, dass damit nicht blos eine neueWertrelation, sondern ein neues System geschaffen wäre. Dennder wahre Sinn des herrschenden Systems ruht in der Voraus-setzung, dass menschliche Gesetze und Ubereinkommen ein un-abänderliches künstliches Gegenseitigkeitsverhältnis zwischenGold und Silber stabilieren könnten. So wie eingeräumt wird,dass die thatsächlichen Vorgänge hier stärker sein können, alsdie geschriebenen Anordnungen, so stürzt das ganze Gebäudein sich zusammen. Und am wenigsten lässt es sich mit nurveränderten Zahlen wieder aufrichten in einer Zeit, welche soempfindlich unter dem Druck der Vorgänge leidet und derenMacht in wechselndem Masse noch zu erfahren gefasst seinmuss. Wer wollte sich heute unterfangen, auch nur auf die