Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
395
Einzelbild herunterladen
 

Das Gold der Zukunft.*)

Von allen Aufgaben der Staatswirtschaft, denen unsere Zeitso eifriges Mühen widmet, ist durch eigentümliche Verkettungder thatsächlichen Umständen am meisten die Frage nach derbesten Münzverfassung in den Vordergrund gerückt. Kaum einKulturstaat, der sich nicht nahe berührt fände von den Folgender mächtigen Verschiebung in dem gegenseitigen Verhältnisder beiden Edelmetalle, aus welchen Geld gemacht wird. Nurdie Länder, welche tief in Schulden und dadurch in die Fabri-kation von Papiergeld geraten sind, haben vorerst andereSorgen, als die um Regelung ihres Münzwesens. Alle übrigenbefinden sich entweder in Ubergangsstadien, sei es, dass sienoch diesseits der richtigen Entscheidung stehen, sei es, dass siebereits das jenseitige Ufer erreicht haben; oder sie befinden sich,obzwar im fertigen Zustande, doch in Verlegenheit infolge auf-tauchender Schwierigkeiten. Selbst Grossbritannien ist wegenseines Verhältnisses zu Indien nicht frei von Heimsuchung.Überschaut man das ganze Gebiet, dessen Gestade von demWellenschlage dieser tiefgehenden Bewegung erreicht werden,so stellt sich ohne viel künstliches Suchen die Frage ein: obwir nicht den Anfängen eines Prozesses beiwohnen, welcherdas Geldwesen der herrschenden Handelsnationen nach einigerZeit auf neuer Grundlage herausgebildet haben wird?

Kein Wunder also, dass die Münzpolitik mit besonderemEifer gepflegt wird. Aber nicht bloss um die lehrhaften Pro-bleme handelt es sich. Vielmehr legen sich die thatsächlichenErscheinungen, welche so viel zur Anregung der Frage beige-tragen haben, mit ihrem ganzen stofflichen Schwergewicht querüber die Wege der theoretischen Forschung. Am ersten Tage

*) Aus derDeutschen Rundschau", 4. Jahrgang, Heft I.