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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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des Eintritts in die deutsche Münzreform bezeichnete ich dieFrage:Wohin mit dem Silber?" als die schwierigste des ganzenUnternehmens. Und die, welche damals meinten, ich machemir darüber zu viel Sorgen, sind wohl seitdem von ihrer An-sicht zurückgekommen. Als Gegenstück zu jener Frage wirdnun seit einiger Zeit eine andere aufgeworfen:Woher dasGold?" Läge in derselben mit Recht der Hinweis auf eine Ge-fahr, so wäre sie noch viel ernster zu nehmen. Denn demÜberfluss, wie gross er immer sei, ist im allgemeinen eher ab-zuhelfen, als dem Mangel.

In neuester Zeit haben namentlich zwei Männer von Fachdie Frage mittelst emsiger Nachforschungen auf dem Gebieteder Geologie und der Bergwerkskunde zu beantworten gesucht.Beide sind zu entgegengesetzten Resultaten gelangt. Der einebedroht die Welt mit Goldhungersnot, wenn sie nicht zurPraxis der alten Doppelwährung zurückkehre. Der andere, ohneauf die Münzfrage einzugehen, schildert die australischen Lagerin solcher Weise, dass sie uns noch auf lange hinaus uner-schöpfliche Schätze verheissen. Hören wir einen nach dem'anderen.

Herr Eduard Süss hat ein belehrendes und höchst an-ziehendes Werk geschrieben, welches erDie Zukunft desGoldes" benennt, weil es im grossen und ganzen auf den Schlusshinzielt, dass das Gold eine sehr zweifelhafte Zukunft vor sichhabe. Das Argument, mittels dessen dieser Beweis geliefertwird, füllt bei weitem den grösseren Teil des Buches aus; undauf seinen Kern zusammengedrängt lautet es: Zum alten Goldwird immer weniger neues kommen; so wenig am Ende, dasses sich von selbst verbieten wird, Münzen daraus zu prägen.Oder mit anderen Worten: Das Gold der Zukunft erlaubt nicht,an die Zukunft des Goldes zu glauben. Seinen Vordersatz hatnun der Verfasser mit grosser Liebe zur Sache, oder, was gleich-bedeutend ist, mit grosser Kenntnis der Sache durchgeführt.Dagegen ist der eigentliche Schlusssatz weniger gut wegge-kommen, ihn hat er sich etwas leicht gemacht. Es wird alsojedenfalls nur die schönste Gerechtigkeit an ihm geübt, wennman, ihn besprechend, den Nachdruck von vornherein auf denvon ihm selbst intensiv und extensiv bevorzugten Teil der Arbeitlegt und dies schon in der Überschrift andeutet. Auch die