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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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vielbeliebte Ethos und Pathos, welches dieVolkswirte" heuerso reichlich verzapfen, erheische nebst der Liebe zu den leben-den Menschen, deren Kindern und Kindeskindern noch eineebenso herzliche Teilnahme an den entferntesten Geschlechtern, selbst dies angenommen, wäre doch der Gedanke berechtigt,dass zu frühzeitig beschlossene Anordnungen füglich den Nach-kommen mehr schaden als nützen könnten. Eine Weichen-stellung auf Distanz von mehreren Jahrhunderten hinaus, dasist eine Vorsichtsmassregel, welche beinahe mit Sicherheit denZug in den Graben führen muss. Nicht der Leichtsinn, sonderndie Einsicht in die Unberechenbarkeit der Zukunft hat dieWeisheitslehre erfunden, der Mensch solle sich mit der Plagedes Tages genügen lassen; und auf die Weltwirtschaft ange-wendet, ist wohl ein Säkulum ein reich bemessener Tag. Hatman uns nicht auch den Kopf schon damit warm machenwollen, dass wir nach Jahrhunderten keine Feuerung mehrhaben würden? Süss selbst kann nicht umhin, an die Analogiejener Steinkohlenalarmisten zu erinnern, welche berechnet haben,wann in New-Castle und Ruhrort der letzte Centner geschöpftsein wird. Nein, mit dieser Sorge lassen wir uns nicht bangemachen; einstweilen mit dem Gold für etliche kurze Jahr-hunderte in der Tasche, wollen wir ruhig die Lebensreise weiterfortsetzen. Aber, könnte man hier einwerfen, ist nicht ebensovon entgegengesetzter Seite eine dem Silber nachteilige Prophe-zeiung gemacht worden? (Auch Süss erwähnt ihrer.) Wurdenicht auf sie der Rat gestützt, sich vom Silbergeide zu be-freien? Nichts ist leichter anzurufen als Analogien, nichts mitgrösserer Vorsicht zu gebrauchen. Zunächst schöpfen die gegendas Silber gewendeten Argumente ihre Kraft weder aus dessenZuwachs noch aus dessen Abnahme, überhaupt nicht aus Vor-gängen im Reich der Natur, sondern aus Erscheinungen, diesich mit innerer Notwendigkeit aus den Grundbedingungeneines rationellen Verkehrs ergeben haben. Das zu grosse Ge-wicht im Verhältnis zum Wert, der innere Widerspruch derDoppelwährung, das sind Gebrechen, die nicht von künftigenäusseren Vorgängen abhängen. Hier liegt eine Rechnung mitbekannten Grössen vor. Ferner ist die Wertverminderung desSilbers eine bereits für die Gegenwart vollzogene Thatsache .Die, welche vor drei, vier Jahren voraussagten, dass binnen