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kurzem ein Rückschlag eintreten werde, warten noch heute aufErfüllung ihrer Hoffnungen. Zwingende wirtschaftliche Not-wendigkeit hat seit fünf Jahren einen Staat nach dem anderendahin geführt, sich von der praktischen Anerkennung desfrüheren festen Verhältnisses von Silber zu Gold loszusagen,dem Gold allein freien Zugang zu den Prägeanstalten zu lassen.Indem wir auf Grund dieser lebendigen Vorgänge und im Ver-ständnis ihres wohlbegründeten Zusammenhangs an die Fort-dauer der gegenwärtigen Sachlage glauben und uns auf dieselbeeinrichten, thun wir gerade das Gegenteil von dem, was dieLehre von der Zukunft des Goldes uns empfiehlt; denn diesemutet uns zu, im Vertrauen auf einen dereinst nach Jahr-hunderten zu erwartenden Umschlag der Dinge die Lehren derheutigen Erfahrung abzuweisen. Allerdings „gouverner c estprevoir und jeder Entschluss gerade auch in dieser kitzlichenWährungsfrage hängt von der Ansicht ab, die wir uns von derZukunft zu bilden haben. Fragt sich nur, von welcher Zukunftund auf welche Berechnung gestützt? Der Gang der Welt-geschichte hat dahin geführt, dass nur die Nationen, welche dieausschliessliche Goldwährung haben, sich geregelter Münzver-hältnisse erfreuen und nicht auf Abänderungen zu sinnen ge-zwungen sind. . Die eigentliche Doppelwährung konnte keinStaat in Wirksamkeit erhalten, kein Staat, kein einziger! Dasist ein Wort. Und die Staaten, welche auf die Doppelwährungverzichten mussten, ohne sich zur einfachen Goldwährung ent-schliessen zu können oder zu wollen, alle diese sind in Ver-legenheit, wie sie diesem unleidlichen Schwebezustand ein Endemachen sollen. Es ist ein wunderlicher Rat, unser besseresLos mit jenem schlechteren zu vertauschen, weil in hundertoder zweihundert Jahren vermutlich der bessere Zustand sichin den schlechteren verwandelt haben werde!
Der Rat ist übrigens nicht neu. Auf näher liegende undenger begrenzte Möglichkeiten gestützt, hat ihn ein bekannterGönner des Silbers, Herr Ernst Seyd in London, schon vorzwei Jahren erteilt. Sein Argument ist einfach aus der Be-rechnung gezogen, dass bereits dermalen nicht Gold genug inder Welt sein würde, um das Bedürfnis zu befriedigen, wennnur sämtliche Länder, welche jetzt noch in der Doppelwährungoder gar in der Papierwirtschaft stecken, den Reinigungsprozess.